Erik-James Munroe

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Mein Blog ...

Di

09

Mär

2010

Veränderungen II ...

Veränderungen II …

Nach einer Phase des Stillstands und einigen Tiefs, geht es mir heute wieder richtig gut. Irgendwie hatten mich die Meldungen über Mißbrauch ganz schön fertig gemacht, ich mochte eigentlich kaum noch fernsehen…
Dazu kam aber auch, dass ich in meinen Bemühungen meinen Umzug vorzubereiten, nicht voran kam. Jetzt geht es endlich wieder bergauf. J

Ich habe nun den Termin für meine Hilfeplankonferenz, also ein Gespräch beim Sozialpsychiatrischen Dienst, wo mein Hilfebedarf ermittelt wird, sprich, ob das betreute Wohnen verlängert wird. Der Termin ist am kommenden Montag, es werden dort meine Vorstellungen und Ziele der nächsten Zeit besprochen und diese beinhalten ja den Umzug aus der Region Hannover in die Wesermarsch. Außerdem plane ich eine berufliche Wiedereingliederung, habe deshalb auch schon mit einer Institution aufgenommen, die so was an der Küste machen und auch freie Plätze haben.
Habe heute dort mit einer Psychologin gesprochen, die mir genau erklärte wie dort alles abläuft, was ich für Möglichkeiten habe und wie es demnächst weitergeht. Ich muß das alles mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst besprechen und dort beantragen, wenn die das befürworten, kann ich meinen Umzug in die Wege leiten, meine alte Wohnung kündigen.
Ich hoffe sehr, dass die Ämter zusammenarbeiten und man mir keine Steine in den Weg legt. Bin fest entschlossen mein Leben langsam wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

Trotz der vielen Rückschläge im letzten Jahr, bin ich doch sehr weit gekommen. Im Sommer 2009 hörte ich von einen Tag auf den anderen mit den Medikamenten auf, erzählte keinem etwas davon, weil ich es einfach mal ausprobieren wollte. Wenn ich gemerkt hätte, dass es nicht funktioniert, hätte ich die Medikamente auch wieder genommen, aber es ging gut und als ich allen davon erzählte, waren sie positiv überrascht.
Warum ich das tat? Ich habe zuletzt vier verschiedene Medikamente bekommen, hatte dadurch extrem zugenommen, wog teilweise über 100 kg- mein Normalgewicht liegt so zwischen 82 und 85 kg…
Es war aber nicht nur die Gewichtszunahme, sondern vor allem weil ich mich immer irgendwie “benebelt” fühlte, als hätte ich Drogen genommen.
Ich war ständig müde, vergaß eine Menge oder brachte Dinge durcheinander,
teilweise entwickelte ich sogar Kontrollzwänge. Beim Verlassen der Wohnung ging ich etliche Male nachsehen, ob ich Wasser und Herd abgestellt habe- ist mir nämlich manchmal passiert, dass ich schlafen ging und die ganze Nacht den Fernseher im Wohnzimmer zu laufen hatte. Einmal schob ich eine Pizza in den Backofen, schlief auf der Couch ein und hätte fast meine Wohnung abgefackelt…
Am meisten störte ich mich aber, dass ich trotz der Medikamente heftigste Tiefs oder Panikattacken hatte. Da dachte ich, schlecht gehen kann es mir dann auch ohne das Zeug!
Zumindest vom Kopf her denke ich, dass es mir ohne Medikamente besser als vorher geht- komischerweise geht es auch in anderer Hinsicht seitdem wieder nach oben.
Ich wurde aktiver und unternahm wieder mehr, lernte meinen Freund kennen und tat, was ich schon länger geplant hatte, ging im Dezember aus der Tagesstätte raus.

Die Zeit dort war wichtig für mich und ich bin dankbar, dass man mir das damals ermöglichte. Ich hatte in der Zeit eine geregelte Tagesstruktur, hatte soziale Kontakte und konnte mich dort auch künstlerisch entfalten- viele Bilder sind in der Malgruppe der Tagesstätte entstanden.






Ich habe meine Bilder für eine Ausstellung in der Tagesstätte zur Verfügung gestellt, die haben sogar einige meiner Zeichnungen für ihren Internetauftritt genommen- was mich sehr freute.
Trotzdem hatte ich, je länger ich dort war, immer mehr Probleme, mit den ständig wechselnden Teilnehmern, dass die Mitarbeiter einen teilweise wie einen Idioten behandelten, aber auch weil ich auf der Stelle trat und irgendwie nicht weiter kam. Der Wunsch mich aus der “Psychoszene” zu lösen und langsam in ein normales Leben zurückzukehren, beruflich wieder Fuß zu fassen. Das alles scheint mir jetzt näher zu sein.

Es wäre natürlich einfacher, wenn ich alles beim alten gelassen hätte, weiter brav in die Tagesstätte gegangen wäre und gewartet hätte, bis man mir vom Amt aus auf die Füße tritt. Ich möchte aber eigenständig etwas machen, selbst wenn das mit Rückschlägen verbunden sein sollte.
Wenn das mit der beruflichen Reha nicht klappen sollte, dann habe ich halt Pech gehabt, es aber zumindest versucht!
Egal wie es nun weitergeht, ob vorwärts oder rückwärts, zumindest muß ich das nicht mehr allein durchstehen, sondern habe einen Partner und sein Umfeld an meiner Seite- und allein das wird mich motivieren durchzuhalten und mein Ding zu machen…
Die Zukunft kann kommen!!! J

Fortsetzung folgt…  … …






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So

07

Mär

2010

"Psychomacken" II ...

Psychomacken II …

Momentan ist es fast unerträglich für mich die Nachrichten zu verfolgen, einfach weil es mich immer wieder mit meiner eigenen Geschichte konfrontiert.
Eigentlich sehe ich sehr gern die Tagesschau oder die Politmagazine der öffentlich rechtlichen Fernsehsender, aber da fast täglich neue Schreckensmeldungen über Mißbrauch und Mißhandlungen von Geistlichen an Kindern und Jugendlichen über den Bildschirm flimmern, tue ich mir solche Sendungen im Moment nicht an.
Ich finde das einfach nur unerträglich und widerlich,
vor allem wenn ich teilweise die Reaktionen der Kirche mitbekomme-
die beispielsweise der sexuellen Revolution der 68. eine  Mitschuld geben.
Es geht mir jetzt aber nicht darum allein die Kirche anzuklagen, sondern den Mißbrauch oder die Mißhandlung an Kindern generell.

Ich erinnere mich noch gut an die Sprüche meiner Mutter als ich selbst noch Kind war, ich solle nicht mit fremden Männern gehen…
Es gibt natürlich genügend Fälle, wo Kinder Opfer von Außenstehenden werden, aber sehr oft passiert der Mißbrauch innerhalb der Familie oder im Umfeld der Familie. Das ist besonders verwerflich, weil man ja Familienmitgliedern oder Freunden der Familie nicht generell Böses unterstellt oder vermutet.
Keine Ahnung ob den Tätern eigentlich bewusst ist was sie dem Kind (und teilweise der ganzen Familie) da antun, das vielleicht sein ganzes Leben unter den Folgen zu leiden hat.
Wenn so etwas schnell erkannt wird und dem Kind Hilfe zuteil wird,
dann muß das nicht so extreme Auswirkungen auf das spätere Leben haben. Wenn es aber unerkannt bleibt, dann sind die Spätfolgen umso verheerender, denn das Erlebte wird verdrängt und wenn dann irgendwann psychische Störungen auftreten, dann dauert es oft eine Weile bis man die Ursachen dafür erkennt.

Ich litt fast mein ganzes Leben unter Ängsten und es dauerte fast 35 Jahre bis die Panikattacken so schlimm wurden, dass ich mich in psychologische Behandlung begab und auch auch da dauerte es noch, bis man dahinterkam, dass sexueller Mißbrauch in der Kindheit für meine Ängste und anderen “Psychomacken” verantwortlich sind.
Und auch jetzt, wo ich weiß was los ist, habe ich noch mit den Auswirkungen zu kämpfen- grad wenn ich in diesen Zeiten die Nachrichten sehe…
Ich habe wieder vermehrt Angstzustände, habe wiederkehrende Albträume und vor allem habe ich Probleme Nähe zu ertragen.
Aber auch mein Selbstbewußtsein, mein Selbstwertgefühl sind extrem angeknackst, ich habe den Eindruck “nichts wert” zu sein, oder fühle mich leer und fühle gar nichts.
Ganz oft kommen Depressionen und Suizidgedanken dazu, die ich heute aber zum Glück im Griff habe.
Ich weiß gar nicht wie oft ich früher versuchte mich umzubringen, indem ich Tabletten schluckte, oder mir die Pulsadern aufschnitt.

Schon früh betäubte ich mich mit Alkohol oder Drogen. Als Teenie begann ich (Pattex- Verdünner) zu “schnüffeln”, später kiffte ich wie ein Weltmeister.
Seit ich 2004 das erste Mal in der Klinik war bin ich clean, ich brauche heute weder Alkohol, noch nehme ich Drogen. Wenn ich heute mal etwas trinke, dann vielleicht mal ein Glas Wein zum Essen, oder im Sommer mal ein Weizenbier.

Es sind aber nicht nur psychische Probleme, sondern hat Auswirkungen auf den ganzen Körper, der mit Schweißausbrüchen, Herzrasen, Magen-Darmbeschwerden, oder mit Kopfschmerzen reagiert- das nennt man  Psychosomatische Beschwerden.
Nicht besonders einfach für meinen Freund in solchen Situationen mit mir umzugehen. Ich schrieb ja neulich bereits, dass es für das Umfeld nicht einfach ist mit einem psychisch Kranken zusammenzuleben.

Es ist eine Illusion anzunehmen, dass sich die Welt verbessert, es keine Kriege und keine Gewalt mehr gibt, es nicht mehr zu Mißhandlungen oder zu Mißbrauch kommt.
Ich kann mir nur wünschen, dass die Menschen heute sensibler sind, die Augen aufmachen, wenn es Anzeichen für Kindesmißbrauch gibt und den Betroffenen schnell geholfen wird. Scheut Euch nicht nachzufragen und gegebenenfalls einzugreifen, den Kindern zuliebe!!!

Fortsetzung folgt…

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So

07

Mär

2010

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Posttraumatische Belastungsstörung
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Klassifikation nach ICD-10
F43.1     Posttraumatische Belastungsstörung
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Die Posttraumatische Belastungsstörung (Abk.: PTBS; engl.: Post-traumatic Stress Disorder, Abk.: PTSD) entsteht „als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“. Es werden unterschiedliche psychische und psychosomatische Symptome zusammengefasst, die als Langzeitfolgen eines Traumas oder mehrerer Traumata auftreten können. Schwere, Zeitpunkt und Dauer der zugrundeliegenden Traumatisierung haben dabei Auswirkungen auf das Ausmaß und den Grad der Manifestation der Störungen. Durch eine frühzeitige psychotherapeutische Intervention kann der Entwicklung einer PTBS entgegengewirkt werden, siehe Psychotraumatologie.

Besonders schwere Formen von PTBS sind etwa das so genannte KZ-Syndrom bei Überlebenden des Holocaust oder des sowjetischen Gulag-Systems und das speziell im englischen Sprachraum bekannte Post Vietnam Syndrome (PVS). Zur Zeit des Ersten Weltkriegs sprach man von der „bomb-shell disease”, in Deutschland wurden PTBS-Patienten damals als „Kriegszitterer” bezeichnet. In jüngster Zeit wurden weitere Unterformen der PTBS postuliert. Dazu gehört etwa das Post Cult Syndrome, das bei Menschen auftritt, die einen sektenähnlichen religiösen Kult verlassen haben. Auch das Adopted Child Syndrome wird inzwischen von einigen Wissenschaftlern als Unterform der PTBS betrachtet.

Weitere Synonyme für „Posttraumatische Belastungsstörung”: Posttraumatische Belastungserkrankung, Posttraumatisches Belastungssyndrom, Psychotraumatische Belastungsstörung.

Im Unterschied zur akuten Belastungsreaktion (Dauer der Symptome bis zu einem Monat) spricht man von PTBS ab einer Dauer von einem Monat. Ab einer Dauer von 3 Monaten ist von einer Chronifizierung der PTBS auszugehen.

Ursachen

Traumatische Erlebnisse

Die Posttraumatische Belastungsstörung wird ursächlich durch ein oder mehrere traumatische Erlebnisse ausgelöst. Dazu zählen zum Beispiel

    * Kriegserfahrungen
    * Vergewaltigung
    * Flucht-/Vertriebenheitserfahrungen
    * Folter
    * sexueller Missbrauch oder Gewalterfahrungen in der Kindheit
    * Terroristische Anschläge
    * schwere Unfälle, auch als Verursacher
    * Naturkatastrophen
    * Todesfälle in näherem Umfeld
    * Stalking
    * Miterleben von Verbrechen wie zum Beispiel Amokläufen
    * Hochrisikogeburten und Hochrisikoschwangerschaften können insbesondere bei vorbelasteten Patientinnen postnatal PTSD (postnatale PTBS) auslösen.

Das traumatisierende Ereignis geht meist mit Todesangst, Entsetzen, einem Schock oder Gefühlen von Hilflosigkeit einher.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht weder aufgrund einer erhöhten psychischen Labilität, noch ist sie Ausdruck einer (psychischen) Erkrankung – auch psychisch gesunde und gefestigte Menschen können eine PTBS entwickeln. Es gibt jedoch bestimmte Risikofaktoren, die es wahrscheinlicher machen, dass eine Person das Vollbild der PTBS entwickelt (siehe unten).

Sie stellt einen Versuch des Organismus dar, eine mögliche Existenzbedrohung zu überstehen. Daher handelt es sich ursächlich nicht um eine Störung (Fehlfunktion), sondern um eine gesunde und zweckdienliche Reaktion. So konnten Neurowissenschaftler der Universität Utrecht zeigen, dass PTBS-Patienten ungewöhnlich schwach auf physischen Schmerz reagieren. Die ebenfalls geläufige Bezeichnung „Posttraumatische Belastungsreaktion” weist auf diese Unterscheidung hin, gleichzeitig verdeutlicht sie in ihrer begrifflichen Anlehnung den Unterschied zur so genannten Akuten Belastungsreaktion, welche als eine kurzfristige, auf die Überlebenssicherung abzielende Reaktion auftreten kann und nicht wie die PTBS zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung führt.

Risiko- und Schutzfaktoren

Risikofaktoren sind belastende Lebensereignisse oder Lebensumstände, die einzeln oder in ihrem Zusammenwirken die Entstehung einer PTBS begünstigen. Risikofaktoren können entweder zeitlich vor dem Trauma liegen (prätraumatische Risikofaktoren), in der traumatischen Erfahrung selbst begründet sein oder zeitlich nach dem Trauma liegen (posttraumatische Risikofaktoren). Risikofaktoren sind unter anderem eine lange Dauer und schwere Stärke des Traumas. Im Vergleich zu Unfällen oder Naturkatastrophen zieht die Erfahrung von menschlicher Gewalt (zum Beispiel durch Vergewaltigung, Krieg, politische Verfolgung oder Folter) meist tiefgreifendere Folgen nach sich. Grausamkeiten, die Menschen etwa während eines Krieges oder in Gefängnissen, sowohl als Augenzeugen, als auch als Opfer miterlebt haben, lassen sich nicht mit ihrem bisherigen Weltmodell vereinbaren. Es bleibt "ein namenloses Grauen, das unvereinbar ist mit dem ursprünglichen Glauben an die Existenz von Menschlichkeit".  Menschen, die bereits vor dem Trauma unter psychischen Problemen litten, sind besonders oft betroffen. Personen ohne soziales Netzwerk sind ebenfalls besonders anfällig. Das Erleben von „mental defeat” (zu deutsch: sich aufgeben) wird mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit posttraumatischer Symptombildung in Zusammenhang gebracht. Professionelle Helfer (zum Beispiel Feuerwehrleute, Polizisten) entwickeln im Fall einer Katastrophe seltener eine PTBS, als Personen, die nicht speziell geschult sind. Egle und andere konnten eine Reihe von prätraumatischen Risikofaktoren identifizieren. Zu diesen gehören unter anderem fehlende emotionale Unterstützung der Eltern bzw. Angehörigen, das Aufwachsen in Armut, eine schlechte Schulbildung der Eltern, das Aufwachsen in einer Großfamilie mit wenig Wohnraum, Kriminalität oder Dissozialität mindestens eines Elternteiles, geringe familiäre Harmonie, psychische Störungen mindestens eines Elternteiles, autoritäres elterliches Verhalten, Unehelichkeit, Aufwachsen bei einer alleinerziehenden Mutter oder einem alleinerziehenden Vater, geringer Altersabstand zum nächsten Geschwisterkind und schlechte Kontakte zu Gleichaltrigen. Die 1983 durchgeführte National Vietnam Veterans' Readjustment Study lieferte wichtige Erkenntnisse über Risiko- und Schutzfaktoren. Zum Zeitpunkt der Befragung litten 15,2% der männlichen und 8,5% der weiblichen Veteranen unter einer PTBS. Im Laufe ihres Lebens erkrankten 30,9% der Männer und 26,9% der Frauen. Als Risikofaktoren wurden identifiziert:

    * Risikofaktoren vor dem Kampfeinsatz:
          o hispanische Ethnizität
          o Herkunft aus instabilen Familienverhältnissen
          o bestrafender Erziehungsstil der Eltern
          o Depressionen bereits vor dem Kampfeinsatz
    * Risikofaktoren während des Kampfeinsatzes
          o peritraumatische Dissoziation (darunter werden Dissoziationen direkt nach dem Trauma verstanden)
    * Risikofaktoren nach dem Kampfeinsatz:
          o weitere Traumata
          o aufreibende Lebensereignisse (wie zum Beispiel Scheidung, Verlust von Angehörigen, Krankheit)

Umgekehrt schützen korrektive Faktoren und Lebensumstände vor Traumatisierung trotz potentiell traumatisierender Ereignisse und Situationsfaktoren. Als Schutzfaktoren wurden identifiziert:

    * Schutzfaktoren vor dem Kampfeinsatz:
          o japanisch-amerikanische Ethnizität
          o Collegeabschluss
          o hoher sozioökonomischer Status
          o eine enge Beziehung zu den Eltern
    * Schutzfaktoren während des Kampfeinsatzes
          o keine
    * Schutzfaktoren nach dem Kampfeinsatz:
          o Soziale Unterstützung

PTBS und Gene

Für die Anfälligkeit, nach Misshandlungen antisoziale Symptome zu entwickeln, scheint nicht nur das Trauma, sondern auch die Veranlagung eine Bedeutung zu haben. Kinder mit X-chromosomal vererbter niedriger MAO-A-Aktivität scheinen etwa doppelt so häufig im Jugendalter Verhaltensstörungen zu entwickeln, wie Traumaopfer ohne diese genetische Variante. Bis zu ihrem 26. Lebensjahr werden sie fast zehnmal so häufig als Täter in Straftaten verwickelt, wie Traumaopfer ohne die genetische Variante (siehe auch: Warrior Gene).

PTBS und Rauchen

Ein Team um Koenen untersuchte die Gesundheitsakten von 6.744 männlichen Zwillingspaaren, die während des Vietnamkrieges in den amerikanischen Streitkräften gedient hatten. Die Analyse ergab, dass bereits vor der Traumatisierung rauchende Soldaten, die einer traumatischen Erfahrung ausgesetzt waren, über ein doppelt so hohes PTBS-Risiko verfügten. Koenen erklärte gegenüber New Scientist, dass Nikotin einige der gleichen neurobiologischen Bahnen stimuliert, die auch mit Stress und Sucht in Verbindung stehen. Rauchen könnte daher diese Bahnen sensibilisieren. Zusätzlich zeigte sich, dass Menschen nach einer traumatischen Erfahrung eher dazu neigten, mit dem Rauchen anzufangen. Ein Teufelskreislauf, da Rauchen die Symptome der PTBS nur kurzfristig abmildert, auf lange Sicht jedoch verstärkt.

Diagnoseschemata

Die Symptome der PTBS gibt es wahrscheinlich schon so lange es die Menschheit gibt. Immer wieder lassen sie sich in historischen Berichten feststellen, zum Beispiel in dem von Samuel Pepys der 1666 das große Feuer von London miterlebte.  Sechs Monate nach der Katastrophe schrieb er etwa in sein Tagebuch: Wie merkwürdig, dass ich bis zum heutigen Tag keine Nacht schlafen kann, ohne von grosser Angst vor dem Feuer erfasst zu werden; und in dieser Nacht lag ich bis fast zwei Uhr morgens wach, weil mich die Gedanken an das Feuer nicht los liessen.  In der Medizin fand die PTBS aber erst in jüngster Zeit Beachtung. Ende des 19. Jahrhunderts prägte der deutsche Psychiater Emil Kraepelin den Begriff Schreckneurose um die Symptome zu beschreiben, die sich bei Opfern von schweren Unfällen und Verletzungen, besonders von Feuersbrünsten, Entgleisungen oder Zusammenstößen auf der Eisenbahn zeigten. Schon früh wurden die Symptome der PTBS vom Freud-Schüler Abram Kardiner beschrieben. Erst 1980 fand die Diagnose erstmals Eingang in das international bedeutsame amerikanische Diagnose-Manual DSM III (aktualisierte Version: DSM IV), das von der American Psychiatric Association (APA) herausgegeben wird. Dort ist das Syndrom heute unter 309.81 als eine Form der Angststörung gelistet. Nach der ICD-10 (International Classification of Diseases) der WHO hat die PTBS den Code F 43.1.

 Diagnostische Kriterien für eine PTBS nach ICD-10

Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in die Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung über.

 Diagnostische Kriterien für eine PTBS nach DSM-IV 1996

A. Es war eine Konfrontation mit einem traumatischen Ereignis gegeben und zwar:

    1. Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod oder ernsthafter Verletzung oder Gefahr für eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit (objektiv) und 2. Reaktion: Intensive Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen (subjektiv)

B. Es kommt zum beharrlichen Wiedererleben des Ereignisses in Form von

    1. Wiederkehrenden und eindringlichen belastenden Erinnerungen (Bildern, Gedanken, Wahrnehmungen) und/oder Wiederkehrende belastenden Träume und/oder 3. Handeln oder Fühlen, als ob das Ereignis wiederkehrt

C. Anhaltendes Vermeidungsverhalten bzgl. Traumaassoziierter Reize oder Abflachung der allgemeinen Reagibilität. Drei der sieben folgenden Kriterien sind erfüllt:

    1. Bewusstes Vermeiden von Gedanken, Gefühlen oder Gesprächen in Bezug auf das Trauma, 2. Bewusstes Vermeiden von Aktivitäten, Orten oder Menschen, die Erinnerungen wachrufen, 3. Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern, 4. Deutlich vermindertes Interesse oder Teilnahme an wichtigen Aktivitäten, 5. Gefühl der Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen, 6. Eingeschränkte Bandbreite des Affektes, 7. Gefühl einer eingeschränkten Perspektive

D. Anhaltende Symptome erhöhter Erregung. Zwei der folgenden fünf Kriterien sind erfüllt

    1. Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen, 2. Reizbarkeit oder Wutausbrüche, 3. Konzentrationsschwierigkeiten, Hypervigilanz (extreme Wachsamkeit), 5. Übertriebene Schreckreaktionen

E. Das Störungsbild dauert länger als einen Monat

F. Das Störungsbild verursacht in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen

Weitere Symptome

Speechless Terror

Trauma-Patienten berichten immer wieder von „speechless terror“ (sprachlosem Entsetzen), das sie überkommt, wenn sie sich an das Trauma zurück erinnern. Sie sind oft nicht fähig auszudrücken, wie sie über die Ereignisse fühlen oder denken, und unfähig, das Trauma mit Worten zu beschreiben. Dadurch wird die Verarbeitung des Geschehenen erschwert (vgl. Eye Movement Desensitization and Reprocessing).

Gefühle der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins und der Sinnlosigkeit

Nach Abraham Maslow gehört das Bedürfnis nach Sicherheit zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Menschen ziehen eine sichere, berechenbare, kontrollierbare Umgebung einer Umgebung vor, die gefahrvoll, unkontrollierbar und wenig berechenbar ist. Normalerweise lernt der Mensch im Laufe seiner Kindheit und Jugend, dass seine Bedürfnisse nach Sicherheit und Schutz vor Gefahren befriedigt werden - eine Ausnahme bilden hier Kinder, die von ihren Eltern vernachlässigt (auch emotional), misshandelt oder missbraucht wurden, Kinder, die im Krieg aufwachsen und Kinder in ähnlichen Ausnahmesituationen.[24]  Ein Mensch, dessen Sicherheitsbedürfnisse befriedigt wurden, kommt zu folgenden Grundüberzeugungen:

    * Die Welt ist ein sicherer Platz, die meisten Leute sind wohlmeinend.
    * Die Dinge, die auf der Welt passieren, passieren aus bestimmten Gründen. Das menschliche Leben hat eine Bedeutung.
    * Guten Leuten werden gute Dinge passieren.

Nach einem Trauma scheinen diese Grundüberzeugungen oft in Frage zu stehen. Die Welt erscheint nun feindselig, unberechenbar und chaotisch. Die Überzeugung, dass die Welt verlässlich ist und das Leben einen Sinn hat, geht verloren.

Symptome können sowohl direkt nach Erleben des Traumas als auch mit einer Verzögerung von vielen Jahren oder Jahrzehnten auftreten.

Allgemeine Symptome

    * Teilamnesie
    * Depressionen
    * Dissoziative Störungen
    * Persönlichkeitsveränderungen
    * Bindungsstörungen
    * Suchtverhalten
    * Aggressive Verhaltensmuster
    * Selbstverletzendes Verhalten
    * Suizidversuche
    * sexuelle Probleme (bei Opfern von Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch)

 Spezielle Symptome bei Kindern als Opfern von sexueller Gewalt

Siehe:  Folgen sexuellen Missbrauchs

Zu den oben genannten, allgemeinen Symptomen kommt es bei Kindern als Opfern von sexueller Gewalt zu speziellen Symptomen:

    * Einnässen (Enuresis), nachdem das Kind bereits „trocken” war oder altersuntypische langanhaltende Enuresis ohne „Trockenwerden”,
    * Einkoten (Enkopresis),
    * stark sexualisiertes Verhalten,
    * nicht altersgemäßes und sexuell geprägtes Spiel.

Wichtig zu bedenken ist jedoch, dass in der wissenschaftlichen Psychologie teilweise davon ausgegangen wird, dass es kein diagnostizierbares Syndrom sexuellen Missbrauchs mit einer spezifischen, richtungsweisenden Symptomkonstellation gibt.

Bei Kindern kann es im Anschluss an ein Trauma zum so genannten „traumatischen Spiel” kommen. Hierbei wird das Trauma vom Kind im Spiel nachempfunden. Dies kann auch bei erwachsenen Betroffenen geschehen.

Eltern mit PTBS

In der Bindungsforschung zeigte sich, dass es einen Zusammenhang zwischen Traumatisierung der Eltern und einer Bindungsunsicherheit von Kleinkindern besteht. Aus diesem Grund ist es wichtig auch Untersuchungen an Kindern, die mit bestimmten Bindungstörungen diagnostiziert sind (z.b. "Secure base distortion") oder die von traumatisierten Müttern erzogen werden, durchzuführen. In einem solchen Fall kann eine Eltern-Kind-Psychotherapie hilfreich sein.

Zusammenhang mit der Borderlinestörung bei Kindheitstraumata

Inwieweit im Kindesalter erlittene Traumata später zu anderen Störungen, wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, führen können, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert.

Borderliner berichten überdurchschnittlich oft von sexuellen Gewalterfahrungen (etwa 65 Prozent), körperlichen Gewalterfahrungen (etwa 60 Prozent) und schwerer Vernachlässigung (etwa 40 Prozent), kumuliert über 85 Prozent und mehr an erinnerbaren einschlägigen traumatischen Kindheitserfahrungen, zumeist Mehrfachtraumatisierungen. Dazu kommen noch mögliche Schädigungen während der ersten Lebensjahre. Diese wirken sich aufgrund der neurologischen Entwicklungsphase wesentlich stärker aus. Besonders auffällig ist, dass die neurologischen Schädigungen von PTBS-Patienten (schwere Fälle) und von Borderline-Patienten identisch sind. Und beide Krankheitsbilder weisen dieselben Symptombilder auf, die sich ohne Kenntnis des Zusammenhangs praktisch nicht unterscheiden lassen.

Andererseits kritisieren viele Wissenschaftler die Vermutungen und Behauptungen, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung ein chronisches posttraumatisches Belastungssyndrom sei. Sie sind der Meinung „... dass sexuelle Traumatisierung weder eine notwendige noch hinreichende Voraussetzung für die Entwicklung einer BPS darstellt. Die unter Klinikern stark verbreitete Annahme, dass es sich bei der BPS um ein chronisches posttraumatisches Belastungssyndrom handelt, findet auf wissenschaftlicher Ebene keine Evidenz.“

Schwierigkeiten, ins spätere Leben zurückzufinden

Viele Menschen haben nach einem Trauma Schwierigkeiten, ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Es gibt Statistiken, nach denen jeder vierte Obdachlose auf Amerikas Straßen Veteran eines Krieges ist. Nach Angaben des Ministeriums für Veteranenangelegenheiten sind fast 200.000 Ex-Soldaten ohne feste Bleibe. Viele davon sind Vietnamkriegsveteranen. Doch es gibt auch zunehmend arbeitslose und obdachlose Irakkriegsveteranen.

Körperliche Beschwerden

Traumatisierte Menschen befinden sich in einer Art ständiger Alarmstimmung. Kleinigkeiten, die an das Trauma erinnern, wie zum Beispiel sexuelle Schlüsselreize (Fotos von spärlich Bekleideten), uniformierte Menschen, Nachrichten, Lärm und Enge oder Jahrestage einer Verhaftung, so genannte Trigger können körperliche Symptome wie Herzrasen, Zittern, Angstschweiß, Atemnot, Übelkeit und Ohnmachtsanfälle hervorrufen.

Erhöhte Sterblichkeit

Wolff (1960) fand in einer Studie an ehemaligen Gefangenen des zweiten Weltkrieges heraus, dass innerhalb der ersten sechs Jahre nach der Freilassung neunmal so viele dieser Menschen an Tuberkulose starben, wie es im Zivilleben zu erwarten wäre. Die Raten für Todesfälle durch gastrointestiale Erkrankungen, Krebserkrankungen und Herzerkrankungen waren ebenfalls erhöht. Bullmann und Kang (1997) konnten einen Zusammenhang zwischen PTBS und einem erhöhten Risiko eines Todes durch externe Ursachen (wie Unfälle oder Überdosierungen) bei Vietnamkriegsveteranen entdecken.


 Häufigkeit

Ob eine PTBS auftritt, ist stark abhängig von der Art des erlebten Traumas. Mit entscheidend sind traumatische Geschehen in der Vorgeschichte, beispielsweise frühkindliche Trennung oder Vergewaltigung. Bis zu 90  Prozent der Erwachsenen und Kinder haben in ihrem Leben ein Trauma-bezogenes Problem, was nicht unbedingt zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen muss. Die Lebenszeitprävalenz einer PTBS liegt bei etwa 8 Prozent, kann aber bei exponierten Personen wie Rettungskräften, Ärzten, Polizisten oder Soldaten auf über 50 Prozent ansteigen.

Nach Flatten und Hoffmann 2001 liegt die Eintrittswahrscheinlichkeit für eine PTBS nach politischer Haft und Verfolgung deutlich höher als hier angegeben, nämlich bei 50–70  Prozent. Allerdings legen diese Autoren andere Kriterien für die Diagnose an, als von der Weltgesundheitsorganisation gefordert.

Heilungschancen beim Trauma

Clark und Hanisee untersuchten den Lebensweg von aus Entwicklungsländern adoptierten Kindern, die unterernährt waren und traumatische Kindheitserfahrungen gemacht hatten. Die Kinder wurden von amerikanischen Familien aus der oberen Mittelschicht adoptiert. Entgegen der Annahme, dass diese Kinder unter schweren Beeinträchtigungen leiden würden, erwiesen sie sich als überdurchschnittlich intelligent und überdurchschnittlich sozial kompetent. Beim Peabody Picture Vocabulary Test erreichten sie einen IQ von 120, auf der Vineland Social Maturity Scale erreichten sie im Schnitt 137 Punkte. 100 Punkte gelten als Durchschnitt, 137 als außerordentlich gut. Clark und Hanisee kamen zu dem Ergebnis, dass unterernährte und traumatisierte Kinder sich als erstaunlich resilient erweisen, wenn sie in stabile Familienverhältnisse adoptiert werden.

Unter Resilienz wird die Fähigkeit verstanden, schwierige Lebenssituationen erfolgreich zu meistern. Resiliente Personen haben typischerweise eine Reihe von Eigenschaften:

    * Sie gehen mit Stress effektiv um.
    * Sie haben gute Problemlösefähigkeiten.
    * Bei Problemen bitten sie um Hilfe.
    * Sie glauben, dass es Möglichkeiten gibt, mit Lebensproblemen umzugehen.
    * Ihre Beziehungen zu Freunden und Familienmitgliedern sind eng.
    * Mit Freunden und Familie sprechen sie über das Trauma und ihre Gefühle.
    * Sie sind oft spirituell/religiös eingestellt.
    * Statt als „Opfer“ (victim) sehen sie sich als „Überlebende“ (survivor) – diese Unterscheidung im Englischen betrifft, ob sich die traumatisierte Person als passiv und hilflos („Opfer“) erlebt oder als stark und selbstbestimmt, in der Regel in Verbindung mit einem bewussten Umgang mit dem Trauma („Überlebender“).
    * Sie helfen Anderen.
    * Sie versuchen, dem Trauma etwas Positives abzugewinnen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Aaron Antonovsky. Er untersuchte eine Gruppe von Frauen, die in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager gewesen waren. Ihre emotionale Befindlichkeit wurde mit der einer Kontrollgruppe verglichen. Der Anteil der in ihrer Gesundheit nicht beeinträchtigten Frauen betrug in der Kontrollgruppe 51 Prozent, im Vergleich zu 29 Prozent der KZ-Überlebenden. Nicht der Unterschied an sich, sondern die Tatsache, dass in der Gruppe der KZ-Überlebenden 29 Prozent der Frauen trotz der unvorstellbaren Qualen eines Lagerlebens mit anschließendem Flüchtlingsdasein als körperlich und psychisch gesund beurteilt wurden, war für ihn ein unerwartetes Ergebnis.

Diese Beobachtung führte ihn zu der Frage, welche Eigenschaften und Ressourcen diesen Menschen geholfen hatten, unter den Bedingungen der KZ-Haft sowie in den Jahren danach ihre körperliche und psychische Gesundheit zu erhalten. So schuf Antonovsky (im Gegensatz zum Pathogenesekonzept der traditionellen Medizin) das Konzept der Salutogenese – der Entstehung von Gesundheit.

PTBS verläuft oft chronisch, kann sich aber durch Therapien oder auch spontan von selbst bessern.

Immer wieder beweisen Studien, wie wichtig soziale Unterstützung bei der Überwindung traumatischer Erfahrungen ist. Dabei kommt es darauf an, dass der Traumaüberlebende verlässliche Beziehungen hat, die von Ehrlichkeit, Geduld und gegenseitigem Respekt geprägt sind und in denen er/sie offen über seine/ihre Gefühle reden kann. Schädlich ist es hingegen wenn Angehörige mit Unverständnis reagieren oder abwertende Kommentare machen, etwa darüber, dass der Heilungsprozess nun schon sehr lange dauere.

Posttraumatic Growth

Einige Menschen zerbrechen nicht an traumatischen Erlebnissen, sondern können sogar daran wachsen. Es handelt sich hier um Menschen mit ausgeprägter Resilienz. Posttraumatic Growth ist ein Reifeprozess, der bestenfalls in Weisheit mündet.

 Siehe auch

    * Adopted Child Syndrome
    * Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung
    * Posttraumatische Verbitterungsstörung
    * Psychotraumatologie
    * Somatic Experiencing
    * James Blake Miller
    * Thousand-yard stare
    * Interventionen bei Helfern beim ICE-Unglück von Eschede (1998 f)
    * Salutogenese, Resilienz (Psychologie und verwandte Disziplinen) (zum Thema Bewältigung von Traumata)
    * The Courage to Heal

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsstörung





Die  letzten Blog-Einträge waren von mir bearbeitete Wikipedia-Beiträge mit meinen Diagnosen. Ich habe eigentlich noch einige andere dazu bekommen, wo ich mir aber nicht ganz so sicher bin, ob diese auch wirklich zutreffen.
Demnächst werde ich mit meinen eigenen Worten versuchen zu beschreiben, was es eigentlich heißt mit diesen Leiden zu leben, wie sich das auf den Alltag auswirkt und so weiter. Ich denke, dass das wichtig ist, grad in der heutigen Zeit, wo man fast täglich in den Medien von Kindesmißbrauch hören oder lesen kann und meist ist es genau dieser Mißbrauch, der zu all diesen psychischen Störungen führt.

Fortsetzung folgt… … …

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Sa

06

Mär

2010

Angststörungen und Generalisierte Angststörung

Angststörungen
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Angststörungen sind psychische Störungen, bei denen die Furcht vor einem Objekt oder einer Situation oder unspezifische Ängste im Vordergrund stehen. Wenn es ein solches gefürchtetes Objekt oder eine Situation gibt, spricht man von einer Phobie.

Den Phobien ist gemeinsam, dass die Betroffenen Ängste haben vor Dingen, vor denen Menschen ohne Angststörungen normalerweise keine Angst haben, die also normalerweise nicht als gefährlich gelten. Dabei erkennen die betroffenen Personen zeitweise, dass ihre Angst übermäßig oder unbegründet ist.

 Definition

Angst ist zunächst ein notwendiger und normaler Affekt. Die Definition dessen, was unter „Angst“ zu verstehen ist, ist in trefflicher Weise von Karl Jaspers gegeben worden.
 Die Definition dessen, was als „Angststörung“ zu verstehen ist, ist schwieriger zu geben. Die Kennzeichnung von Ängsten als „Störung“ stützt sich auf Kriterien, die der Orientierung dienen können, letztlich aber unscharf bleiben. Wir geben hier mehrere „Definitionen“ wieder, da jeder Autor andere „Kriterien“ als besonders wichtig für die Hineinnahme in seine Definition empfindet und durch die vergleichende Darstellung ein Höchstmaß an Einblick in die Komplexität der Störung entsteht. Klarer und einfacher ist dagegen die definitorische Kennzeichnung der „Phobie“ sowie die Abgrenzung der Phobien untereinander.

Definition pathologischer Angst

Volker Faust (1995) grenzt „pathologische Ängste“ (im Sinne einer Störung) gegen die „vielfältigen“ angemessenen „Ängste“ folgendermaßen ab:

Als orientierende Merkmale zur Diagnose einer pathologischen Angst lassen sich zwei Kriterien nennen:

   1. die „Unangemessenheit“ der Angstreaktion gegenüber den Bedrohungsquellen
   2. die Symptomausprägung, wie Angstintensität, Angstpersistenz, abnorme Angstbewältigung und subjektiver und körperlicher Beeinträchtigungsgrad.

Angst kann vor allem dann den Stellenwert einer Krankheitsbeeinträchtigung gewinnen, wenn

   1. mögliche oder tatsächliche Bedrohung in ihrer Gefährlichkeit überschätzt werden (z. B. bei Herzphobie und Agoraphobie)
   2. Angst ohne konkrete Gefahr und Bedrohungswahrnehmung auftritt (z. B. bei Panikattacken).

Diagnose

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht das ärztliche oder psychotherapeutische Gespräch. Anhand der geschilderten Symptome kann der Psychiater oder psychologische Psychotherapeut eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Um körperliche Beschwerden der Angst, wie zum Beispiel Atemnot und Herzrasen, von einer organischen Erkrankung unterscheiden zu können, muss zunächst eine ausführliche medizinische Untersuchung zum Ausschluss einer körperlichen Ursache erfolgen. Dazu sind meist auch laborchemische und technische Untersuchungen erforderlich (Blutuntersuchung, EKG und ähnliche). Erst nach Ausschluss einer körperlichen Erkrankung soll eine seelische Störung diagnostiziert und die Behandlung geplant werden.

Klassifikation

Obwohl Angst ein „Affekt“ ist, werden Angststörungen, Panikattacken und auch phobische Störungen in der ICD-10, einem modernen Klassifikationssystem, nicht in der Rubrik F3 (Affektive Störungen), sondern im Kapitel F4 (Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen) kodiert. Menschen mit Angststörungen empfinden selber oft gar nicht die Angst als das hervorstechende Symptom. Stattdessen werden häufig körperliche Symptome, wie etwa Schwindel, Herzrasen, Zittern, verminderte Belastbarkeit oder auch Magen-Darm-Beschwerden zuerst genannt. Die Unterteilung in der ICD-10 ist wie folgt:

Phobische Störungen

    * Agoraphobie (ICD-10 F40.0): Furcht vor oder Vermeidung von Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, Reisen allein oder Reisen von Zuhause weg.
    * Soziale Phobie (ICD-10 F40.1): Furcht vor oder Vermeidung von sozialen Situationen, bei denen die Gefahr besteht, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, Furcht, sich peinlich oder beschämend zu verhalten, zum Beispiel Paruresis.
    * Spezifische Phobien (ICD-10 F40.2). Diese können nach bestimmten Objekten oder Situationen unterschieden werden:
          o Tierphobien: zum Beispiel Angst vor Spinnen (Arachnophobie), Insekten, Hunden, Mäusen.
          o Situative Phobien: Flugangst, Höhenangst, Tunnel, Aufzüge, Dunkelheit
          o Natur-Phobien: zum Beispiel Donner, Wasser, Wald, Naturgewalten.
          o Anblick von Blut, Spritzen, Verletzungen.
    * Sonstige phobische Störungen (ICD-10 F40.8)
    * Phobische Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F40.9)

Andere Angststörungen

    * Panikstörungen (ICD-10 F41.0): Spontan auftretende Angstattacken, die nicht auf ein spezifisches Objekt oder eine spezifische Situation bezogen sind. Sie beginnen abrupt, erreichen innerhalb weniger Minuten einen Höhepunkt und dauern mindestens einige Minuten an.
    * Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1): Eine diffuse Angst mit Anspannung, Besorgnis und Befürchtungen über alltägliche Ereignisse und Probleme über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, begleitet von weiteren psychischen und körperlichen Symptomen.
    * Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2): Angst und Depression sind gleichzeitig vorhanden, eher leicht ausgeprägt ohne Überwiegen des einen oder anderen.

Symptome

Allgemeine Angstsymptome

Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, Schwindel, Schweißausbruch, Zittern, Beben, Mundtrockenheit, Hitzewallungen, Sprachschwierigkeiten. Dazu Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl, Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Auch Bewusstseinsstörungen, zum Beispiel das Gefühl, verrückt zu werden, das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind oder man selbst „nicht richtig da“ ist, dass man nicht mehr die Kontrolle über die eigenen Gedanken hat, Benommenheit, Schwindel, Angst zu sterben, allg. Vernichtungsgefühl. Jeder vierte Patient mit Angststörung klagt über chronische Schmerzen.

Spezifische Phobien

In Bezug auf ein spezifisches Objekt oder eine Situation oder einen Ort bildet sich die Angstsymptomatik.

Es besteht eine deutliche emotionale Belastung durch die Angstsymptome. Die angstauslösenden Objekte beziehungsweise Situationen werden vermieden. Gleichzeitig besteht die Einsicht, dass die Ängste übertrieben oder unvernünftig sind. Beim Anblick des angstauslösenden Objekts beziehungsweise der Situationen kommt es zu den oben beschriebenen Symptomen.

Die bekannteste ist die Platzangst: die Angst vor offenen Plätzen, Angst, das eigene Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, sich in eine Menschenmenge oder auf öffentliche Plätze zu begeben oder allein in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen. Häufig muss in solchen Situationen sofort ein möglicher Fluchtweg gesucht werden.

Es gibt eine Unzahl von möglichen Phobien, phobische Reaktionen können sich auf alles und jedes richten. Im Folgenden sind einige bekanntere spezifische Phobien aufgelistet:

    * Angst vor Katzen (Ailurophobie)
    * Angst vor Vögeln (Ornithophobie)
    * Angst vor Spinnen (Arachnophobie)
    * Ängste vor engen Räumen (Klaustrophobie)
    * Ängste vor Blut (Hematophobie)
    * Ängste vor großen Höhen (Bathophobie)
    * Angst vor dem Fliegen (Flugangst, Aviophobie)
    * Angst vor Krankheiten (z. B. Krebs)
    * Angst vor großen Menschenmengen (Demophobie, Ochlophobie)
    * Angst vor großen Räumen, z. B. auch Angst in großen Kaufhäusern (Agoraphobie)
    * Angst vor dem Sprechen (Glossophobie)
    * Angst, in der Öffentlichkeit das Wort zu ergreifen (Homilophobie)
    * Angst vor dem Auftreten der Angst („Angst vor der Angst“, Phobophobie)

Soziale Phobie

Bei der sozialen Phobie bezieht sich die angstbesetzte Situation auf Situationen, die Kontakte mit anderen Menschen erfordern. Daher kann schon die Interaktion mit einem anderen Menschen eine Überforderung darstellen.

Symptome:

    * starke Ängste, sich in bestimmten sozialen Kontexten zu zeigen
    * extreme Angst, in dieser Angst erkannt und öffentlich beschämt zu werden
    * vor und in angstbesetzten Situationen starke körperliche Reaktionen (Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit, Atemnot, Stimmversagen u. a.)
    * starkes Vermeidungsverhalten, dadurch oft ausgeprägtere Defizite beim „normalen“ Reifungsprozess und Defizite bei der Wahrnehmung sozialer Verantwortung
    * häufig in der Folge sehr schlechtes Selbstbewusstsein, Versagensgefühle, Unterlegenheitsgefühle, Furcht vor Kritik
    * Erröten, Zittern der Hände, Vermeidung von Blickkontakt, Übelkeit, auch Harndrang

Panikstörungen

Die Panikstörungen zeichnen sich dadurch aus, dass wiederholt schwere impulsive Angst- oder Panikzustände auftreten, die sich nicht auf spezifische Situationen beschränken und deshalb nicht vorhersehbar sind. Panikattacken gehen besonders häufig einher mit plötzlichem Herzklopfen, Herzrasen oder unregelmäßigem Herzschlag. Es können ebenfalls Brustschmerzen, Erstickungsgefühle, Zittern, Schwitzen, Schwindel und das Gefühl der Entfremdung auftreten. Die Betroffenen haben Todesangst, befürchten zum Beispiel einen Herzstillstand oder Herzinfarkt. Immer wieder treten auch Gefühle von Derealisation auf und die Angst, verrückt zu werden. Dazu kommen die übrigen beschriebenen Symptome. Diese Anfälle dauern in der Regel nur wenige Minuten, manchmal etwas länger. Da diese Situationen plötzlich und unberechenbar auftreten, entsteht schließlich eine Angst vor der Angst. Spezifisch für die Panikstörung ist es, dass die Betroffenen oft den Zusammenhang zwischen den körperlichen Symptomen und ihrer Angst nicht erkennen und die Symptome fehlinterpretieren.

Generalisierte Angststörung

Unter die generalisierten Angststörungen werden anhaltende Symptome von Angst zusammengefasst, die sich ebenfalls nicht auf bestimmte Situationen beschränken. Dabei treten folgende Symptome auf: Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Hyperventilation, Schluckbeschwerden, Schwindelgefühle, Oberbauchbeschwerden, Ruhelosigkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und Einschlafstörungen auf Grund der ständigen Besorgnis und Angst. Die Betroffenen können oft nicht angeben, wovor sie Angst haben, sie werden von der Furcht gequält, dass sie oder ihre Angehörigen erkranken oder Unfälle erleiden könnten.
Angst und depressive Störung, gemischt [Bearbeiten]

Zu den Symptomen der Angst kommen die der Depression. Man hat festgestellt, dass es durch die Angstsymptome, die häufig anfangs nicht als diese erkannt werden, auch noch zu Depressionen kommen kann. Man fühlt sich schlecht, weil anfangs kein Arzt helfen kann und eben keine körperlichen Symptome gefunden werden (Blut, Nerven etc.). Es kann daher vorkommen, dass man sich irgendwelche schweren körperlichen Erkrankungen einredet (Tumor etc.) und somit noch mehr darunter leidet. Dies kann sich mit der Zeit bis zur Depression aufschaukeln.

Auch die Feststellung, durch die Angst in der eigenen Leistungs- und Belastungsfähigkeit eingeschränkt zu sein, führt häufig dazu, dass sich die Betroffenen minderwertig oder schwach fühlen. Hinzu kommt die Scham über die sichtbaren Symptome, oder darüber, nicht "voll zu funktionieren".

 Komorbidität 

Angststörungen weisen eine hohe Komorbidität sowohl untereinander, als auch zu Depressionen, somatoformen Störungen und Substanzstörungen (intrapersonal gesteuerter Gebrauch von psychotropen Stoffen) auf. Die Wahrscheinlichkeit, eine komorbide Störung zu entwickeln, ist bei Panikstörungen und Agoraphobie am höchsten. Sekundäre Depressionen sind am häufigsten bei Panikstörungen, gefolgt von der Generalisierten Angststörung und der Agoraphobie. Substanzstörungen als Folge einer Angststörung werden als Versuch der Selbstmedikation betrachtet.

 Siehe auch: 

    * Emotionale Störungen des Kindesalters
    * Angst
    * Phobie
    * Depression
    * Panikattacke
    * Panikstörung
    * Taijin Kyo-fusho-

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Angststörung




Generalisierte Angststörung
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Klassifikation nach ICD-10
F41     sonstige Angststörungen
F41.1     Generalisierte Angststörung
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Die generalisierte Angststörung (GAS) ist nach ICD-10 (F41.1) eine Form der "sonstigen Angststörungen". Dabei verselbständigt sich die Angst und verliert ihre Zweckmäßigkeit und Relation.

  Symptome

Der Patient erlebt eine generalisierte und anhaltende Angst, die nicht (wie bei den phobischen Störungen) auf bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt ist, sondern vielmehr frei flottiert.

Inhalt der Angst ist in den meisten Fällen eine unbegründete Sorge und Befürchtungen vor zukünftigen Unglücken oder Erkrankungen, die einen selbst oder Angehörige betreffen, sowie eine große Anzahl weiterer Sorgen und Vorahnungen. Der Patient ist kaum oder nicht in der Lage die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen. Er hat Angstzustände, die kaum Kraft für einen normalen Lebenswandel lassen. Die Angstzustände treten bei vielen Situationen auf. Der Betroffene bekommt Panik vor Menschenmengen, Aufzügen, öffentlichen Verkehrsmitteln, in einfachen und ganz alltägliche Situationen, in denen die Angst des Betroffenen für den Normalbürger nicht nachzuvollziehen ist. Die Lebenszeitprävalenz liegt bei 4-5%, die Krankheit beginnt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, Frauen sind häufiger betroffen als Männer, oft im Zusammenhang mit belastenden Lebensumständen. Der Verlauf ist unterschiedlich, neigt aber zu Schwankungen und Chronifizierung. Sorgenbereiche sind:

    * Familiäre/soziale Beziehungen
    * Arbeit und Leistung
    * Gesundheitssorgen
    * Finanzen
    * Alltägliches

Die Angst manifestiert sich bei den Patienten durch körperliche Beschwerden wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Derealisation und Depersonalisation, Übelkeit, innere Unruhe, Unfähigkeit, sich zu entspannen, Hitzewallungen, Muskelverspannungen, Konzentrationsstörungen, Nervosität, Schlafstörungen, Spannungskopfschmerz, Benommenheit, Kribbeln.

Nach den ICD-10 Kriterien müssen folgende Symptome mindestens mehrere Wochen, meist mehrere Monate lang an den meisten Tagen erfüllt sein:

    * Befürchtungen (Sorge über zukünftiges Unglück, Nervosität, Konzentrationsprobleme etc.)
    * motorische Spannung (körperliche Unruhe, Spannungskopfschmerz, Zittern, Unfähigkeit, sich zu entspannen)
    * vegetative Übererregbarkeit (Benommenheit, Schwitzen, Tachykardie oder Tachypnoe, Oberbauchbeschwerden, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit etc.)
    * Psychische Symptome (Gefühl von Schwindel, Unsicherheit und Benommenheit, Derealisation und Depersonalisation, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben)

Es darf keine organische Verursachung vorliegen oder die Kriterien für eine depressive Episode, phobische Störung, Zwangsstörung oder Panikstörung zutreffen, auch wenn depressive Symptome bei einer generalisierten Angststörung vorübergehend auftreten können. Nach den ICD-10 Forschungskriterien kann die generalisierte Angststörung deshalb auch mit einer depressiven Episode gleichzeitig auftreten. In diesem Fall dürfen nur die Kriterien einer Panikstörung, einer Phobie, einer Zwangsstörung oder einer hypochondrischen Störung nicht mehr erfüllt sein.

Wer unter einer generalisierten Angststörung leidet, sucht meist wegen seiner körperlichen Beschwerden den Arzt auf. Oftmals dauert es viele Jahre, bis erkannt wird, dass sich hinter seinen körperlichen Beschwerden chronische Angst verbirgt. Die körperlichen Beschwerden der Betroffenen sind meist die Folge ihrer negativen Gedanken, ihrer Sorgen und Grübeleien. Die Krankheit wurde früher unterschätzt. Heute weiß man, dass sie mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität einhergeht.

Entstehung und Aufrechterhaltung

Als ursächlich für die Entstehung der Generalisierten Angststörung werden genetische und soziale Faktoren angenommen. Die GAS wird jedoch nicht spezifisch vererbt; es scheint eher eine vererbbare biologische Vulnerabilität zur Entwicklung pathologischer Angst zu existieren. Diese biologische Vulnerabilität für das Erleben von Ängsten kann zu Stress führen, der durch soziale Faktoren bedingt ist. Stresserzeugende soziale Faktoren sind meist kritische Lebensereignisse. Der erlebte Stress kann zu der für die GAS charakteristischen Erwartungsangst (Sorgen) führen. Diese Erwartungsangst ist gekennzeichnet durch negative Gefühle, die mit „der wahrgenommenen Unfähigkeit zusammenhängen, in bevorstehenden Ereignissen oder Situationen erwünschte Ergebnisse vorherzusagen, kontrollieren oder erreichen zu können“.  Dies führt vor allem zu einer Verlagerung der Aufmerksamkeit auf internale, selbstbewertende Inhalte und einer übermäßigen Wachsamkeit gegenüber angstauslösenden Reizen. Die Wachsamkeit führt dann wiederum dazu, dass viele verschiedene Lebensumstände als bedrohlich wahrgenommen werden. Die GAS scheint durch die Sorgen aufrechterhalten zu werden: Nach Borkovec und Kollegen[2] sind Sorgen eine Form von geistiger Vermeidung. Der Prozess des Sorgens dämpft die emotionale Verarbeitung angstauslösender Reize und führt auch zu somatischen Suppressionseffekten: die angstauslösenden Reize werden (bedingt durch kognitive Verarbeitung) rationalisiert und die Personen werden durch das Sich-Sorgen ruhiger. Diese kurzfristige Verbesserung des emotionalen und physischen Befindens wirkt negativ verstärkend: Die Angst wird aufrechterhalten.

Weitere diskutierte kognitive Faktoren sind internale und externale Fehleinschätzungen, die sich aus den vom Patienten an sich selbst beobachteten Veränderungen wie geringerer Konzentrationsfähigkeit und Störung des Arbeitsgedächtnisses ergeben: Ich bin der Aufgabe nicht gewachsen, besitze wenig Kontrolle oder Fähigkeiten zur Meisterung schwieriger Situationen, die Sorgen schaden mir. Durch die negativen Metasorgen können sich Kontrollversuche ergeben, welche die Häufigkeit der Sorgen noch steigern und Vermeidungs- und Rückversicherungsverhalten auslösen. Aber auch positive Metasorgen wie: "Sorge ist gleich Vorsorge" können den Sorgenprozess verstärken. Durch die Kontrolle, Vermeidung und Rückversicherung kann keine Gewöhnung und damit kein Ende des Sorgenprozesses stattfinden, und der Teufelskreis schaukelt sich auf.
Komorbidität [Bearbeiten]

Die GAS tritt oft zusammen mit Panikstörung, Sozialer Phobie, spezifischen Phobien und PTBS auf. Viele der Betroffenen sind abhängig von Alkohol oder missbrauchen Benzodiazepine.

Therapie

GAS war früher die am schwierigsten zu therapierende Angststörung. Jedoch gibt es große Fortschritte in der Behandlung und insbesondere die psychotherapeutische Behandlung durch Verhaltenstherapie gilt heute als erfolgsversprechend.

Die wichtigste psychologische therapeutische Maßnahme ist, dem Patienten zu versichern, dass er keine tödliche oder sonstwie bedrohliche Krankheit hat, denn das ist die größte Sorge der meisten, die sich in Behandlung begeben, und seine Bereitschaft, an einer Psychotherapie teilzunehmen, zu erreichen.

In einer Kognitiven Verhaltenstherapie besteht das erste Ziel darin, dass der Patient durch eine Verhaltensanalyse und die Vermittlung seines individuellen Störungsmodells ein Verständnis für seine Störung erlebt und dadurch die Bereitschaft entsteht, an verhaltenstherapeutischen Interventionen wie der Konfrontation mit der Angst in sensu (gedanklich) oder in vivo (im richtigen Leben, d.h. in der konkreten Situation) teilzunehmen. Dadurch kann er neue Verhaltensmuster erlernen, indem er sich seiner Angst stellt und praktisch erlebt, dass die von ihm befürchteten Folgen ausbleiben. Durch kognitive Therapieelemente wie die kognitive Umstrukturierung, die Realitätsprüfung, das Entkatastrophisieren oder die Bearbeitung der Metasorgen soll der Patient eine neue Lebenseinstellung bzw. eine neue Sicht auf die eigenen Fähigkeiten erwerben. Die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie hat stark zugenommen, seit klinische Forscher die dabei eingesetzten Techniken verbessert haben.

Ein weiteres wichtiges Therapieelement stellt die Angewandte Entspannung dar. Nur bei schweren Fällen, die ansonsten nicht in der Lage sind, von einer Psychotherapie zu profitieren, da ihre Ängste und Anspannungen zu groß sind, bietet sich eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva, vor allem SSRI oder SNRI, an, um eine Therapiefähigkeit überhaupt zu erzeugen. Allerdings ist hierbei auch negativ mit zusätzlichen Ängsten und Therapieabbrüchen durch Nebenwirkungen bzw. der Angst vor dem Absetzen des Medikaments zu rechnen.

Viele Klienten mit einer GAS suchen Hausärzte auf, um sich wegen ihrer Nervosität und somatischen Beschwerden behandeln zu lassen. In diesem Fall werden oft fälschlicherweise Benzodiazepine verschrieben, um die Nervosität zu lindern. Es gibt jedoch schnell Gewöhnungseffekte. Benzodiazepine erzeugen zudem schnell eine Abhängigkeit, was das Absetzen der Medikation schwierig macht.

Allerdings sollte man unterscheiden zwischen einer generalisierten Angststörung, die das erste Mal auftritt und relativ gut zu therapieren ist, und einer generalisierten Angststörung, die nach vielen Jahren ohne Angst das zweite mal auftritt..

http://de.wikipedia.org/wiki/Generalisierte_Angststörung



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Sa

06

Mär

2010

Depressionen

Depressionen
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Depressiv (lat. deprimere „niederdrücken“) bezeichnet umgangssprachlich einen Zustand psychischer Niedergeschlagenheit. In der Psychiatrie wird die Depression den affektiven Störungen zugeordnet. Im gegenwärtig verwendeten Klassifikationssystem psychischer und anderer Erkrankungen (ICD 10) lautet die Krankheitsbezeichnung depressive Episode oder rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung. Die Diagnose wird allein nach Symptomen und Verlauf gestellt. Zur Behandlung depressiver Störungen werden nach Aufklärung über die Ursachen und den Verlauf der Erkrankung Antidepressiva eingesetzt, aber auch reine Psychotherapie ohne Medikation, wie z. B. tiefenpsychologische oder verhaltenstherapeutische Verfahren.

 Symptome

Die Krankheit Depression ist charakterisiert durch Stimmungseinengung (Verlust der Fähigkeit zu Freude oder Trauer; Verlust der affektiven Resonanz, d. h. der Patient ist durch Zuspruch nicht aufhellbar), Antriebshemmung, mit oder ohne Unruhe, Denkhemmung, Schlafstörungen. Diese Schlafstörungen sind Ausdruck eines gestörten 24-Stundenrhythmus. Häufig geht es dem Kranken in den frühen Morgenstunden so schlecht, dass er nicht mehr weiter schlafen kann. Liegt diese Form des gestörten chronobiologischen Rhythmus vor, fühlt sich der Patient am späten Nachmittag und Abend jeweils besser, bis dann einige Stunden nach Mitternacht die depressive Symptomatik in voller Stärke wieder einsetzt. Weitere Symptome können sein übertriebene Sorge um die Zukunft, unter Umständen überbetonte Beunruhigung durch Bagatellstörungen im Bereich des eigenen Körpers (siehe Hypochondrie), das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeit, Hilflosigkeit, sowie soziale Selbstisolation, Selbstentwertung und übersteigerte Schuldgefühle, dazu Müdigkeit, verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, das Denken ist verlangsamt (Denkhemmung), sinnloses Gedankenkreisen (Grübelzwang), dazu Störungen des Zeitempfindens. Häufig bestehen Reizbarkeit und Ängstlichkeit. Negative Gedanken und Eindrücke werden über- und positive Aspekte nicht adäquat bewertet. Das Gefühlsleben ist eingeengt, was zum Verlust des Interesses an der Umwelt führen kann. Auch kann sich das sexuelle Interesse vermindern oder erlöschen (Libidoverlust). Bei einer schweren depressiven Episode kann der Erkrankte in seinem Antrieb so gehemmt sein, dass er nicht mehr einfachste Tätigkeiten, wie Körperpflege, Einkaufen oder Abwaschen verrichten kann. Der Schlaf ist nicht erquickend, das morgendliche Aufstehen bereitet Probleme (Morgentief; Tagesschwankungen). Bei einer seltenen Krankheitsvariante verhält es sich umgekehrt: Es tritt ein sogenanntes „Abendtief“ auf, d. h. die Symptome verstärken sich gegen Abend und das Einschlafen ist erschwert oder erst gegen Morgen möglich.

Depressive Erkrankungen gehen mit körperlichen Symptomen einher, sogenannten Vitalstörungen, wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme („Kummerspeck“), häufig auch mit Schmerzen in ganz unterschiedlichen Körperregionen, am typischsten mit einem quälenden Druckgefühl auf der Brust.

Während einer depressiven Episode ist die Infektionsanfälligkeit erhöht.

Je nach Schwere einer Depression kann sie mit latenter oder akuter Suizidalität einhergehen. Es wird vermutet, dass der größte Teil der jährlich zirka 12.000 Suizide in Deutschland auf Depressionen zurückzuführen ist.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Symptomatik einer Depression kann sich bei Frauen und Männern auf unterschiedliche Weise ausprägen. Bei den Kernsymptomen sind die Unterschiede gering. Während bei Frauen eher Phänomene wie Mutlosigkeit und Grübeln verstärkt zu beobachten sind, gibt es bei Männern jedoch deutliche Hinweise darauf, dass sich eine Depression auch in einer Tendenz zu aggressivem Verhalten niederschlagen kann. In einer Untersuchung bei stationär behandelten Patienten fanden sich bei Männern neben einer vermehrten Klage über Schlaflosigkeit auch deutlich mehr Anzeichen von Reizbarkeit, Verstimmung, schnellem Aufbrausen, Wutanfällen, Unzufriedenheit mit sich und anderen, Neigung zu Vorwürfen und nachtragendem Verhalten, erhöhter Risikobereitschaft, exzessivem Sporttreiben, sozial unangepasstem Verhalten, ausgedehntem Alkohol- und Nikotinkonsum, sowie einem erhöhten Selbsttötungsrisiko.
Kinder und Jugendliche

Im Entwicklungsverlauf zeigt sich eine Depression in unterschiedlichen Symptomen und Ausprägungen, die grob in verschiedene Phasen zu unterscheiden sind. Ein Kleinkind im Alter von ein bis drei Jahren hat noch nicht die Fähigkeit, sich differenziert zu seinem Befinden zu äußern. Eine Depression erkennt man bei ihm an einem ausdruckslosen Gesicht, erhöhter Irritabilität, und einem gestörten Essverhalten. Das Kind wirkt insgesamt traurig und entwickelt ein selbststimulierendes Verhalten. Dabei besonders auffällig sind beispielsweise Jactatio capitis oder exzessives Daumenlutschen; auch kann genitale Selbstmanipulation früh einsetzen. Das Spielverhalten zeichnet sich durch mangelnde Kreativität oder verminderte Ausdauer aus. Auch kann das Kleinkind eine generelle Spielunlust oder eine generell mangelnde Phantasie entwickeln.

Vorschulkinder zeigen ein trauriges Gesicht und eine verminderte Mimik und Gestik. Sie sind leicht irritierbar und stimmungslabil. Sie können sich nicht freuen, und zeigen introvertiertes oder aggressives Verhalten. Sie sind weniger an motorischer Aktivität interessiert und können stark an Gewicht ab- oder zunehmen. Auch können sie eine Schlafstörung entwickeln. Sie können dann nicht ein- oder durchschlafen oder haben Albträume.

Schulkinder können meist schon verbal über ihre Traurigkeit berichten. Zusätzlich können sie Suizidgedanken und Schulleistungsstörungen entwickeln. Auch können sie Befürchtungen entwickeln, von ihren Eltern nicht genügend beachtet zu werden.

Jugendliche in der Pubertät zeigen häufig ein vermindertes Selbstvertrauen, sind apathisch, haben Ängste und Konzentrationsmängel. Auch Jugendliche können Leistungsstörungen entwickeln und zirkadiane Schwankungen des Befindens zeigen. Auch psychosomatische Störungen können hier Anzeichen für eine Depression sein. Jugendliche zeigen hierbei schon die Kriterien der depressiven Episode, wie sie bei Erwachsenen zu erkennen sind.

Diagnose

Da die Depression eine sehr häufige Erkrankung ist, sollte sie bereits vom Hausarzt erkannt werden, was aber nur in etwa der Hälfte aller Fälle gelingt. Manchmal wird die Diagnose erst von einem Psychiater  oder psychologischen Psychotherapeuten gestellt. Wegen der besonderen Schwierigkeiten der Diagnostik und Behandlung von Depressionen im Kindesalter, sollten Kinder und Jugendliche mit einem Verdacht auf eine Depression grundsätzlich einem Kinder- und Jugendlichenpsychiater oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten vorgestellt werden.

Verbreitete Diagnosewerkzeuge sind die Hamilton-Depressionsskala (HAMD), das Beck-Depressionsinventar (BDI) und das Inventar depressiver Symptome (IDS).

Mitunter wird eine Depression von einer anderen Erkrankung überdeckt und nicht erkannt. Eine Depression kann sich auch vorwiegend durch körperliche Symptome – oft Schmerzen – äußern und wird dann als „larvierte Depression“ bezeichnet (die Depression versteckt sich hinter den körperlichen Symptomen wie hinter einer Larve).

In der ICD-10 fallen Depressionen unter den Schlüssel F32.- und werden als „depressive Episode“ bezeichnet. Im Falle sich wiederholender Depressionen werden diese unter F33.- klassifiziert, bei Wechsel zwischen manischen und depressiven Phasen unter F31.-. Die ICD-10 benennt drei typische Symptome der Depression: depressive Stimmung, Verlust von Interesse und Freude sowie eine erhöhte Ermüdbarkeit. Für die Diagnose leichter und mittlerer Episoden schreibt die ICD-10 wenigstens zwei dieser typischen Symptome (in Verbindung mit zwei bzw. mindestens drei weniger typischen Symptomen) vor, für schwere Episoden müssen alle drei typischen Symptome vorhanden sein (zusätzlich wenigstens vier weniger typische Symptome).

Für Kinder und Jugendliche gelten die gleichen Diagnoseschlüssel wie für Erwachsene. Allerdings kann bei Kindern eine ausgesprochene Verleugnungstendenz vorliegen, und sie können große Schamgefühle haben. In einem solchen Fall kann Verhaltensbeobachtung und die Befragung der Eltern hilfreich sein. Hierbei wird häufig auch die familiäre Belastung in Hinblick auf depressive Störungen sowie anderen Störungen exploriert. Im Zusammenhang mit Depression wird oft eine Anamnese des Familiensystems nach Beziehungs- und Bindungsstörungen sowie frühkindlichen Deprivationen oder auch seelischen, körperlichen und sexuellen Misshandlungen erstellt.

Zu den weiteren diagnostischen Schritten kann auch eine Befragung der Schule oder des Kindergartens hinsichtlich der Befindlichkeit des Kindes oder Jugendlichen zählen. Häufig wird auch eine orientierende Intelligenzdiagnostik durchgeführt, welche eine eventuelle Über- oder Unterforderung aufdecken soll. Spezifische Testverfahren für Depression im Kindes- und Jugendalter sind das Depressions-Inventar für Kinder und Jugendliche (DIKJ) von J. Stiensmeier-Pelster, M. Schürmann und K. Duda und der Depressions-Test für Kinder (DTK) von P. Rossmann.

 Verbreitung

Die Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass vier Millionen Deutsche von einer Depression betroffen sind und dass gut zehn Millionen Menschen bis zum 65. Lebensjahr eine Depression erlitten haben. Aber die Zahlen schwanken. Das hängt zum einen mit der hohen Dunkelziffer zusammen (viele Depressionen werden nicht als solche erkannt) und zum anderen mit der Definition der Krankheit. Der britische NHS erklärt in einer groß angelegten Informationskampagne hingegen, dass fast jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal an Depression leide. Diese Kampagne richtet sich insbesondere an Männer, die sich ihrer Krankheit meist schämen, diese verheimlichen und so nicht die nötige Hilfe erhalten.

Bei Frauen werden Depressionen im Durchschnitt doppelt so oft wie bei Männern diagnostiziert. Dies kann auf eine verstärkte genetische Disposition von Frauen zur Depression hinweisen, aber auch mit den unterschiedlichen sozialen Rollen und Zuschreibungen zusammenhängen, da deutlich mehr Männer an meist depressionsbedingten Suiziden sterben als Frauen. Bei Männern können sich Depressionen auch anders ausdrücken als bei Frauen. Da sich Männer aber tendenziell seltener in ärztliche Behandlung begeben und dabei weniger über sich erzählen, kommt dies oft nicht zur Kenntnis.

Eine reine Depression im Kindesalter ist selten. Bei Vorschulkindern beträgt sie weniger als 1 % und steigt bei Schulkindern auf 2–3 %. Bei Jugendlichen wird eine Häufigkeit von 7–13 % angegeben. Das Geschlechterverhältnis ändert sich in der Adoleszenz von einem Übergewicht bei Jungen vor der Pubertät zur Dominanz bei Mädchen ab dem zwölften Lebensjahr. Bei diesen Zahlen muss allerdings berücksichtigt werden, dass eine Diagnose vor allem im Vorschulalter sehr schwierig ist. Es treten häufige Komorbiditäten auf.

Entwicklung

In den vergangenen Jahren wurde in den entwickelten Ländern ein Anstieg diagnostizierter Erkrankungen beobachtet. Die Ursachen dafür sind noch unklar.

In westlichen Gesellschaften haben sich andere Indikatoren, die auf psychische Probleme hinweisen (Suizide, Alkoholismus) positiv entwickelt. Aktuelle Studien kommen dementsprechend zu dem Ergebnis, dass die tatsächliche Häufigkeit depressiver Erkrankungen in westlichen Ländern in den letzten Jahrzehnten nicht zugenommen hat. Nach diesem Ergebnis wäre die häufigere Diagnose vor allem auf ein gestiegenes Problembewusstsein und eine höhere Akzeptanz der Erkrankung zurückzuführen.

Allerdings wird auch in Fachkreisen die These vertreten, dass die Zahl der Erkrankungen tatsächlich zunimmt. Ursprung dieser These war vor allem eine Studie von Klerman und Weissman aus dem Jahr 1989, die das „Zeitalter der Depression“ ausrief.

Unterschiedliche Formen

Die älteren Bezeichnungen unterscheiden zwischen endogener Depression (endogen bedeutet innen entstanden; infolge veränderter Stoffwechselvorgänge im Gehirn; im klinischen Alltag als eine Form der affektiven Psychose bezeichnet), die ohne erkennbare Ursache auftritt (und bei der auch eine genetische Mitverursachung vermutet wird), neurotische Depression – oder auch Erschöpfungsdepression – (verursacht durch länger andauernde belastende Erfahrungen in der Lebensgeschichte) und reaktive Depression – als Reaktion auf ein aktuell belastendes Ereignis.

Gegenwärtig ist das deskriptiv (beschreibend) ausgerichtete Diagnose-Schema nach ICD-10 in der psychiatrischen Wissenschaft verbindlich. Es trennt lediglich zwischen depressiven Episoden und rezidivierenden depressiven Störungen. Die Schwere der Depression wird mit leicht, mittelgradig, schwer und schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen bezeichnet (vergleiche Abschnitt: „Diagnose“). Dysthymia steht für die chronifizierte Depression.

Depressive Reaktion (ICD-10) ist die frühere reaktive Depression.

Bei der selteneren bipolaren affektiven Störung erkrankt der Patient im Wechsel an Depression und Manie. Die frühere Bezeichnung dieses Krankheitsbildes lautete manisch-depressive Erkrankung. Auch hier ist der Begriff „affektive Psychose“ noch gebräuchlich. In abgeschwächter, aber über Jahre sich hinziehender Ausprägung werden diese bipolaren Schwankungen Zyklothymie genannt.

Die Winterdepression ist eine saisonal auftretende Form, für die ein Mangel an Sonnenlicht ursächlich zu sein scheint.

Die Bezeichnung Altersdepression ist irreführend, da sich eine depressive Episode im Alter nicht von der in jungen Jahren unterscheidet. Allerdings erkranken Ältere häufiger an einer Depression als Jüngere.

Die Schwangerschaftsdepression kommt häufig aufgrund einer Anpassungsstörung während der Schwangerschaft zustande.

Bei etwa 10 % bis 15 % der Frauen kommt es nach einer Geburt zu einer postpartalen Depression.

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Depressionen

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05

Mär

2010

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Borderline-Persönlichkeitsstörung
(aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

Klassifikation nach ICD-10
F60.3     Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
F60.30     Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Impulsiver Typ
F60.31     Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Borderline-Persönlichkeitsstörung (abgekürzt BPS) oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist.

Bei einer solchen Störung sind bestimmte Bereiche von Gefühlen, des Denkens und des Handelns beeinträchtigt, was sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst äußert. Die BPS wird sehr häufig von weiteren Belastungen begleitet, darunter dissoziative Störungen, Depressionen sowie verschiedene Formen von selbstverletzendem Verhalten (SVV). Die Störung tritt häufig zusammen mit anderen Persönlichkeitsstörungen auf (hohe Komorbidität).

Die Bezeichnung Borderline bedeutet auf deutsch Grenzlinie bzw. grenzwertig. Früher wurde die Störung nämlich im Grenzbereich zwischen den neurotischen Störungen und den psychotischen Störungen eingeordnet, da man Symptome aus beiden Bereichen identifizierte. In der Psychotraumatologie zählt man das Symptombild zu den komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen. Seit den Arbeiten von Kernberg ist der Begriff keine „Verlegenheitsdiagnose“  mehr, sondern als nosologische Entität und eigenes Krankheitsbild anerkannt. Manche Wissenschaftler fordern dennoch die Aufgabe des Begriffs, da er eigentlich keine Persönlichkeitsstörung, sondern differentialdiagnostische Probleme bezeichne.  Die Frage der Einordnung ist ein zentrales Thema, zu dem es, ebenso wie zur Frage der Ursachen, bisher keinen Konsens gibt.

    Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild  und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität. Der Beginn liegt oftmals im frühen Erwachsenenalter bzw. in der Pubertät und manifestiert sich in verschiedenen Lebensbereichen.

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein, wenn von einer solchen Störung gesprochen wird:

   1. Starkes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.
   2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
   3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
   4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z. B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, zuviel oder zu wenig essen). Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.
   5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
   6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z. B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).
   7. Chronische Gefühle von Leere.
   8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).
   9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Im ICD, dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Unterform der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung: Der Impulsive Typus dieser Störung ist geprägt durch mangelnde Impulskontrolle und unberechenbare Handlungen. Beim Borderline-Typus sind das eigene Selbstbild und das Beziehungsverhalten schwerer beeinträchtigt. Dieser entspricht in etwa auch der Definition der Borderline-Störung im DSM-IV.

Einige der Symptome können auch bei anderen Störungsbildern auftreten, so z. B. bei Depressionen, Schizophrenien, schizoaffektiven Psychosen, schizoiden Persönlichkeitsstörungen, narzisstischen Persönlichkeitsstörungen, Schizotyper Störung oder bei paranoiden Persönlichkeitsstörungen. Die Diagnose erfordert daher eine sorgfältige differentialdiagnostische Abklärung.

Nach verschiedenen Angaben sind ein bis zwei Prozent der Menschen betroffen, manche Autoren schätzen die Zahlen geringfügig höher. Dabei variieren die Schweregrade resp. die Ausprägungsgrade der Störung deutlich, was die Häufigkeit unscharf macht.

Die BPS wird zu 70 bis 75 Prozent bei weiblichen Patienten diagnostiziert. Die Gründe dafür sind umstritten. Es ist auch nicht klar, ob die Häufigkeitsverteilung in der Bevölkerung mit der Diagnoserate übereinstimmt, weil es an repräsentativen Untersuchungsgruppen mangelt.

Ob auch Kinder von der BPS betroffen sind, wird kontrovers diskutiert. Definitionsgemäß beginnt die BPS schon in der Kindheit und Jugend.

Über die Häufigkeit bei älteren Menschen gibt es nur wenige und zugleich widersprüchliche Erkenntnisse. Einige Autoren (z. B. Casey 1988, Kroessler 1990) sprechen von einer geringeren Rate an BPS bei älteren Erwachsenen im Vergleich zu Jüngeren. Andere Autoren (Caspi, Behm 1990, Abrams 1991) sehen bei älteren Menschen ähnliche Raten wie bei Jungen, wobei sich die typischen Symptomatiken im Alter abschwächen und sich zu unscheinbareren Problemen hin verlagern („heterotypische Kontinuität“), insbesondere hin zu schweren Depressionen. Bisher liegen aber noch keine Langzeituntersuchungen vor, welche die Entwicklung von BPS-Patienten bis ins hohe Alter verfolgen. Daher gibt es kein gesichertes Wissen zu diesem Punkt (Stand: 2001).

BPS-Betroffene weisen charakteristische dichotome  Denkmuster auf, die auch als „Schwarz-Weiß-Denken“ bezeichnet werden. Analog bestehen Muster von wechselnder Idealisierung und Entwertung bestimmter Mitmenschen. Es gelingt selten, von emotional bedeutsamen Menschen eine konstante Vorstellung zu behalten. Das Selbstbild wechselt zwischen Minderwertigkeit und Omnipotenz-Phantasien (respektive Größenwahn). Des Weiteren aktivieren Betroffene zu einem gewissen Maß gleichzeitige widersprüchliche Grundannahmen.

Alle diese Denkmuster werden mit zwei Dingen charakterisiert: Erstens als „spaltende Denkvorgänge“, zweitens als „primitive“ (resp. „primärprozesshafte“) Denkvorgänge. Beide Muster werden mit der projektiven Identifikation assoziiert, die bei Borderline-Patienten sehr ausgeprägt ist. Die projektive Identifikation ist ein Abwehrmechanismus, bei dem Teile des Selbst abgespalten und auf eine andere Person projiziert werden. Diese wird dann unbewusst als Teil des eigenen Selbst empfunden. Dadurch werden eigene Inhalte (Werte, Gedanken, Gefühle) als die der anderen Person wahrgenommen.

Die typischen Denkweisen bestehen speziell in bestimmten Situationen und in Verbindung mit bestimmten Objekten, z. B. wenn der Betroffene stark emotionalisiert ist und bei für ihn bedeutsamen Dingen. Daneben sind Borderline-Persönlichkeiten auch in der Lage, ganz normal wie jeder andere Mensch zu denken.

Laut Leichsenring, Kernberg und anderen können die spaltenden und primärprozesshaften Denkmuster so ausgeprägt werden, dass die Gedankengänge dabei nicht mehr der rationalen Logik folgen. Leichsenring (2001) bezeichnet sie als „eigenartig, bizarr, merkwürdig“. Ihm zufolge haben sich Kernbergs Annahmen bestätigt, dass solche Denkvorgänge mit dem Einschalten primitiver Affekte, Abwehrmechanismen und Objektbeziehungen zusammentreffen. Dies spräche übereinstimmend mit Kernberg dafür, dass die Denkstörungen bei der BPS konfliktbedingte Ausfälle und keine Defekte seien.

Als typisches psychotisches Symptom bei Borderlinern findet sich magisches Denken, was besonders bei schweren Fällen häufig ist. Es ist aber äußerst umstritten, ob man das als echte psychotische Gedanken werten darf. Des Weiteren können kurzzeitige paranoide  Vorstellungen und Halluzinationen auftreten. Die Sinnestäuschungen werden allerdings als pseudopsychotisch bezeichnet, da sie im Gegensatz zu echten psychotischen Erlebnissen nicht als von außen kommend wahrgenommen werden, sondern als von innen kommend bzw. als Teil von sich selbst. Die meisten Experten ordnen diese Symptome daher als Dissoziative Störungen ein.

Die Meinungen und Einschätzungen darüber, wie kurzfristige oder länger andauernde psychotische Symptome einzuordnen sind und wie viel Bedeutung ihnen zukommt, gehen weit auseinander. Dulz und Schneider erachten bei schweren BPS auch längere psychotische Phasen als selbstverständlich (Mentzos 2001). Rohde-Dachser (1989) bezeichnet solche Ereignisse als Mini-Psychosen, die in der Therapie speziell dann auftreten, wenn der zentrale Konflikt des Patienten berührt wird. Weitaus häufiger als (pseudo)psychotische Symptome sind schwere dissoziative Symptome, die bei jeder BPS bestehen. Sie stehen symptomatologisch oft im Vordergrund (Herpertz, Saß 2001).

Kernberg hat (angelehnt an Melanie Klein) ein Modell entwickelt, das die Ich-Spaltung bei der BPS erklärt (siehe Abschnitt „mangelnde Objektkonstanz“). Dieses Modell ist heute allerdings nur bei einer Minderheit der BPS-Forscher anerkannt.

Danach sind dissoziative Störungen eine natürliche Reaktion auf extreme seelische Belastungen. Unverarbeitbare Erlebnisse werden zeitlos „eingefroren“ und – je nach Schwere – in unterschiedlichem Ausmaß von der Persönlichkeit abgetrennt. Sie beinhalten extreme Gefühle und Gedanken bis hin zu mehr oder weniger autarken Persönlichkeitsanteilen, die gegensätzlich sind und später wieder aktiviert werden können.

Bei (BPS-)Betroffenen treten solche Störungen in verschiedenen Schweregraden auf und auch in verschiedenen Arten. Dazu gehören Depersonalisation, Derealisation, Dämmerzustände, Denkstörungen, (Teil-)Amnesien, Hymnesien (negative Überflutungen), Zwangsgedanken, sowie Kontrollverlust, wenn emotionsgeladene Abspaltungen (re-)aktiviert werden. Kernberg sieht bei der BPS gar keine psychotischen Eigenschaften, sondern spricht hier von gelegentlichen Mängeln oder Fehlern bei der Realitätsprüfung.

m Umgang mit anderen Menschen fällt es Betroffenen schwer, Nähe und Distanz zu regulieren. Dabei spielen die kontrastierenden Ängste vor Nähe und Ängste vor dem Alleinsein eine entscheidende Rolle (siehe dazu im Abschnitt “spezifische Ängste“). Es kommt vor, dass Betroffene andere kränken, auch unbewusst. Das kann eine Form von Autoaggression darstellen, oder es kann durch Angst vor Nähe ausgelöst werden.

Durch die extreme Gefühlslage kann es zu impulsiven Verhaltensweisen kommen, speziell bei schmerzhafter Kränkung oder vermeintlicher Kränkung, sowie in sozial kritischen Situationen. Solchen Situationen wird individuell begegnet. Bei Kränkungen sind auch andere Reaktionsweisen möglich, wie Rückzug und/oder Verachtung. Unabhängig von diesen Aspekten kann es vorkommen, dass Betroffene sonderbare bis exzentrische Verhaltensmuster an den Tag legen.

In einigen Fällen weisen BPS-Betroffene ein Muster an häufig wechselnden Sozialkontakten und/oder Sozialkreisen auf. Auch im sexuellen Bereich kann es zu krankhaft bedingtem abnormen und/oder riskantem Verhalten kommen, wie z. B. zu abwechselnden Phasen von Anhedonie und Promiskuität, was eine Form von Selbstschädigung darstellen kann. Das kommt speziell bei Betroffenen vor, die früher Opfer von Missbrauch oder Vergewaltigung wurden.

Manipulatives Verhalten und das Bedürfnis, Beziehungen zu kontrollieren, sind weitere Merkmale, die sich in verschiedenen Bereichen wieder finden. Manipulationsversuche können zum Beispiel dem Zweck dienen, Bezugspersonen nicht zu verlieren. Außerdem werden andere Menschen manchmal durch die unter Denkmuster beschriebene projektive Identifikation einbezogen, um das eigene innere Gleichgewicht zu stabilisieren. Das kann sich belastend auf Beziehungen auswirken.

Bei Konversationen untersuchen Betroffene die Äußerungen und Kommunikationssignale (Gestik, Mimik, Sprechweise) sehr intensiv auf bestimmte Merkmale. Das kann aus Misstrauen (resp. Angst) geschehen oder wegen möglicher Kränkungen (resp. brüchiges Selbstbild).

 Beziehungen

Beziehungsverhalten ist ein Hauptmerkmal bei Persönlichkeitsstörungen, und gerade bei der BPS spielt es eine prägende Rolle (Huber 2005). Beziehungen haben eine große Bedeutung für Betroffene, sie sind jedoch beziehungsgestört.

Partnerschaften verlaufen hier sehr individuell und sie können auch gut funktionieren. Jedoch wirken die negativen Impulse oft verheerend. So kann es durchaus vorkommen, dass die Partner geschädigt aus Beziehungen herausgehen. In manchen Fällen werden die Beziehungspartner so stark belastet, dass sie nach längerer Zeit selber psychologische Unterstützung benötigen, insbesondere wegen leichterer Traumatisierungen durch traumatische Übertragungen.

Besonders problematisch sind Verhältnisse von Betroffenen untereinander, weil es hier unterschiedliche Bindungstypen gibt, weil beide sensibler sind und weil sich die Störfaktoren akkumulieren. Es ergeben sich teils langwierige und schwierige Beziehungen mit häufigen Trennungen und Wiederannäherungen. Wie solche Beziehungen ablaufen, hängt eben auch vom Bindungstyp des Partners ab. Grundsätzlich lässt sich sagen: je ähnlicher, desto besser. Daher können auch Beziehungen unter Betroffenen gut funktionieren.

Die Borderline Persönlichkeit ist dazu geneigt, ihre aktuelle emotionale Situation, sprich ihr Empfinden und Stimmung, an ihr soziales Umfeld weiterzugeben. Die oft schnell wechselnden Stimmungsschwankungen machen den Umgang mit einer solchen Person daher so schwierig.

Betroffene leben in einer extremen und auch labilen Gefühlswelt. Äußern kann sich das in kurzwelligen Stimmungsschwankungen und in tiefen emotionalen Krisen. Die Reizschwelle liegt niedrig. Bereits kleine Ereignisse können starke Gefühlsimpulse auslösen, und bestimmte Reize können nur schwer verarbeitet werden. So kann es leicht vorkommen, dass sich negative Erfahrungen wie z. B. Kränkungen oder Blamagen emotional und gedanklich festsetzen. Sie tauchen als Flashbacks wieder auf und wandeln sich erst lange Zeit später zu normalen Erinnerungen.

Unabhängig von solchen Empfindlichkeiten erleben Betroffene äußerst quälende und diffuse Spannungszustände, wobei sie unterschiedliche Emotionen nicht differenziert wahrnehmen. Zu anderen Zeitpunkten werden solche diffusen Spannungen durch Gefühle von innerer Leere kontrastiert.

Durch die extreme Gefühlswelt ergeben sich hartnäckige Schlafstörungen. Nicht jeder Betroffene hat diese Probleme permanent und gleich stark, aber jeder hat früher oder später damit zu kämpfen.

Die charakteristischen Gefühle der BPS sind Angst, Wut und Verzweiflung, ferner auch Schuldgefühle und Depression  (resp. Trauer, Leere, Resignation). Intensive Gefühle werden teils bewusst erlebt, sie können aber auch unterschwellig bestehen.

Die emotionalen Aspekte greifen in die Dynamik von Macht und Ohnmacht, die sich wie ein roter Faden durch die Persönlichkeitsmerkmale zieht. Ohnmacht entspricht dabei Hilflosigkeit und ist mit Verzweiflung assoziiert, Macht ist das Gegenteil und bedeutet Kontrolle. Angst und Wut (und als deren Hauptfolge Aggression) befinden sich zwischen diesen Gegensätzen.

Verzweiflung ist ein Extrem im menschlichen Gefühlsspektrum und steht auf dem negativen Pol. Die Angst (resp. Panik) und Wut (resp. Aggression) resultieren aus Verzweiflung (resp. aus Ohnmachtsgefühlen) und ziehen in Richtung des vermeintlich positiven Pols. Nach den meisten Schulen ergibt sich Aggression aus dem Gefühl einer existenziellen Bedrohung, insbesondere aus einer empfundenen Bedrohung der Ich-Struktur. Daher wird Aggression durch Angst verursacht.

Aus dem Zusammenhang können sich bewusste oder unbewusste Kontrollzwänge sowie Gewaltpotential und kranker Ehrgeiz ergeben. Das kann sich auf die eigene Persönlichkeit und die eigene Organisation beziehen, es kann aber genauso in sozialen Zusammenhängen stehen, auch in Verbindung mit der gestörten Objektbeziehung.

Bei vielen Menschen mit einer Borderline-Struktur kommt es neben den reizbaren und affektgeladenen Zuständen zeitweise zu Phasen völliger Affektlosigkeit. Die Person ist dann weniger sensibel bis hin zu absolut gefühlstaub. Manche Betroffene werden durch diese Zustände irritiert, die Mehrheit sieht sich dadurch aber stark entlastet.

Hoffmann, Dulz und Schneider bezeichnen dieses Phänomen als einen spezifischen Mechanismus zur Angstabwehr neben der Umwandlung in Wut, dem Agieren (Angstkontrolle durch Selbst- und Fremdschädigung) und der Projektion. Gelingt es den Patienten, die Affekte konstant zu unterdrücken, so wandelt sich das Bild zu einer Schizoiden Persönlichkeitsstörung. Einige Forscher (Herman, Sachsse, Huber) sehen den tauben Zustand als eine typische Form der Dissoziation: Die Person fällt in einen anderen Persönlichkeitszustand.

Häufig werden extreme Zustände gesucht wie Selbstverletzung, schnelles Autofahren oder exzessiver Drogenmissbrauch, das kann der Versuch sein, sich zu spüren, Spannungen abzubauen, sich zu bestrafen oder auch sich zu betäuben.

 Spezifische Ängste der BPS

Betroffene leiden allgemein unter stark ausgeprägten Ängsten, die sich auf jeden Inhalt beziehen können. Die Ängste sind nicht immer durchgängig vorhanden. Und es gibt verschiedenste Arten dieser Gefühle. Es können generalisierte Ängste sein (siehe auch Panangst), aber auch isolierte Angstanfälle (z. B. Panikattacken) sowie diverse phobische Störungen. Doch bestimmte Arten von Ängsten treten besonders häufig und intensiv auf und sind damit spezifisch für die BPS.

Angst vor Nähe

Borderline-Betroffene haben Angst vor Nähe und Fremdüberwältigung. Diese Angst kann sowohl in bewusster Form wie auch unbewusst bestehen – paradoxerweise parallel zur Angst vor dem Alleinsein (siehe Unten).

Als „Angst vor einem phantasierten Verschlungenwerden“ bezeichnet Sven Hoffman (2001) eine prinzipiell ähnliche Angstform, die sich genauso auf Fremdüberwältigung bezieht. Sie ist aber an einen stärkeren Realitätsverlust gekoppelt. Betroffene befürchten, durch ein magisches Erlebnis ausgelöscht zu werden. Die empfundene Nähe wird hier als sehr intensiv erlebt und scheint die eigene Struktur zu bedrohen.

Angst vor dem Alleinsein

Die Angst vor dem Alleinsein dreht sich um Beziehungsverlust. Sie beinhaltet zwei Komponenten: Angst vor Verlust eines sozialen Objekts und Angst vor Verlust der Liebe des Objekts. Diese Ängste ergeben sich aus Wünschen nach übergroßer Nähe in sozialen Beziehungen, so genannten Verschmelzungswünschen. Zudem setzen Betroffene unbewusst Alleinsein gleich mit Verlassen sein.

Angst vor Selbstverlust


Die Angst vor Selbstverlust ist wegen des missverständlichen Begriffes nicht mit Todesangst zu verwechseln. Bei dieser Angst befürchten Borderliner, ihre eigene Persönlichkeit, ihre Identität und im weiteren Sinne sich selbst zu verlieren.

Nach Hoffmann (2001) entstehen diese Ängste durch den Versuch, die oben genannten Trennungs- und Verlustängste zu neutralisieren. Sie werden als mindestens so bedrohlich erlebt wie die ursächlichen Ängste. Andere Theorien (Herman, Huber) besagen, dass sie aus der dissoziativen Symptomatik resultieren.

Angst vor sich selbst

Die Angst vor sich selbst ergibt sich aus Befürchtungen, die Kontrolle zu verlieren über die eigenen Phantasien, Bedürfnisse oder problematischen Gefühle. Das würde zum Beispiel dazu führen, dass jemand von der eigenen Wut überwältigt wird, dass jemand bestimmte Phantasien nicht mehr von der Realität unterscheiden kann oder dass jemand zwanghaft einem Impuls nachgeben muss.

Diese Angstform ist auch von den Neurotischen Störungen, insbesondere von den Angsterkrankungen und Phobien her bekannt. Sven Hoffman (2001) bezeichnet sie daher als „neurotische Untergruppe“.

Angst vor struktureller Regression

Angst vor struktureller Regression ist eine bewusste oder unbewusste Angst davor, den erreichten Ich-Status wieder zu verlieren, zum Beispiel dass der Stand der eigenen Leistungen und/oder die Leistungsfähigkeit nicht gehalten werden kann. Hier besteht ein Zusammenhang damit, dass BPS-Betroffene partiell enorm leistungsfähige Menschen sind, aber trotzdem schwere Belastungen haben. Dadurch sind sie häufig mit Scheitern konfrontiert, sowohl beruflich wie auch im Privatleben. Diese Angstform wird als Folge der „spezifischen Ich-Schwäche“ (bzw. der „Brüchigkeit des Ich“) gesehen.

 Selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität

Selbstverletzendes Verhalten (SVV) bei der BPS ist zunächst von Suizidalität abzugrenzen, weil SVV nicht mit Selbstmordabsicht betrieben wird. Es gibt verschiedene Arten von selbstverletzendem Verhalten im engeren Sinne, wie körperliche Selbstverletzungen durch Ritzen, Blutabnehmen, Quetschen, Brennen (Feuerzeug) und andere Methoden. Außerdem gibt es indirektere Formen wie Substanzmissbrauch, SVV durch Essstörungen und allgemein durch exzessive Verhaltensweisen. Selbstverletzendes Verhalten im weiteren Sinne kann durch bewusste oder unbewusste Handlungen erfolgen, die den Betroffenen gefährden, in eine schlechtere Lage bringen oder ihm Ärger einbringen.

Die verschiedenen Formen von SVV resultieren immer aus bestimmten Gründen. Zum Beispiel dient Hochrisikoverhalten dazu, Ohnmachtsgefühle zu stabilisieren (Bohus 2005). Gründe für körperliche Selbstverletzungen können sein (nach Sachsse 2001):

    * Um innere Spannungen zu lösen
    * Als Selbstbestrafung gegen Schuldgefühle
    * Zur Reorientierung bei schweren dissoziativen Zuständen
    * Um sich wieder zu spüren (Betroffene verlieren manchmal ein normales Körpergefühl)
    * Um sich Kicks zu verschaffen (SVV kann euphorisieren, weil dadurch Serotonin ausgeschüttet wird, an dem es vielen Betroffenen zumindest zeitweise mangeln kann)
    * Um Aufmerksamkeit zu erlangen

Suizide oder Suizidversuche können durch schwere Depressionen, chronische Erschöpfung oder durch Verzweiflung hervorgerufen werden, in bestimmten Situationen auch durch Kontrollverlust, wenn unkontrollierbare Gefühle ausgelöst wurden. Selbstmordgedanken können konkret dazu dienen, um z. B. als Rachephantasien starke Gefühle von Ohnmacht oder Wut auszugleichen. Ein besorgtes Umfeld kann dabei als positiver Verstärker wirken und dieses Verhalten damit fördern.

Was die Selbstmordraten betrifft, so gehen die Zahlen etwas auseinander. Sie lassen sich schwer für die BPS pauschal angeben. Viel entscheidender sind dabei die individuellen Faktoren, mit denen die Betroffenen jeweils konfrontiert sind. Eine besondere Rolle spielen dabei die schweren Depressionen, welche bei der BPS meist irgendwann auftauchen, ferner auch schwere Suchterkrankungen.

Thomas McGlashan leitete aus einer groß angelegten Langzeitstudie (siehe dazu im Abschnitt Verlauf) eine Suizidrate von 16 Prozent für BPS-Patienten mit gleichzeitigen endogenen Depressionen ab. Die Rate bei Patienten ohne endogene Depressionen (ein relativ geringer Anteil der Betroffenen) liege nur bei etwa zwei Prozent. Bohus und Unckel (2005) geben eine pauschale Suizidrate von fünf bis zehn Prozent an.

 Komorbiditäten 

Einige Krankheitsbilder treten häufig gemeinsam mit der BPS auf (Komorbidität).

Depressionen

Bei 80 bis 100 Prozent der BPS-Patienten lassen sich Depressionen feststellen. Depressive Episoden können im Lebensverlauf auftreten und auch wieder verschwinden. Es werden unipolare Störungen und Bipolare Störungen unterschieden.

Zu unterscheiden von den affektiven Erkrankungen ist die affektive Instabilität von BPS-Betroffenen. Durch Letztere können Reaktive Depressionen hervorgerufen werden, also Depressionen, die sich aus starken Stimmungsumschwüngen heraus ergeben können (z. B. in problematisch empfundenen Lebenssituationen). Endogene und reaktive Depressionen können bei der BPS auch nebeneinander vorhanden sein und miteinander in Verbindung stehen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

AD(H)S

Nach jüngeren Erkenntnissen lässt sich bei mehr als der Hälfte aller BPS-Patienten rückblickend eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S) feststellen (Bohus 2004). In solchen Fällen ist die gesellschaftliche Integrationsfähigkeit, insbesondere die Teilnahmefähigkeit am Berufsleben, extrem belastet.

Unabhängig davon haben AD(H)S und BPS nach außen hin verschiedene ähnliche Merkmale, weshalb diese beiden Störungsbilder oft verwechselt werden. Dazu gehören geistige Abwesenheit, Impulsivität, Sensibilität und Unausgeglichenheit. Geistige Abwesenheit aufgrund einer BPS ist in der Regel dissoziativ bedingt und besteht phasenweise. Bei AD(H)S ist die Aufmerksamkeit allgemein eingeschränkt (kurze Aufmerksamkeitsspanne, leichte Ablenkbarkeit).

Wird die erhöhte Empfindlichkeit und Impulsivität von AD(H)S-Betroffenen als genetische Veranlagung betrachtet, so entsprechen diese Eigenschaften allen Modellen, die sich mit den Ursachen für die BPS beschäftigen. Insofern wären Menschen mit AD(H)S prädestiniert, eine BPS zu entwickeln.

Sonstige

Borderline-Patienten haben in der Regel verschiedene seelisch bedingte körperliche Beschwerden, die ganz unterschiedlich schwer sein können. Typisch sind Kopfschmerzen, Magenempfindlichkeit und neuronale Überlastungen, daneben gibt es zahlreiche weitere mögliche Körpersymptome.

21 bis 67 Prozent der Betroffenen betreiben Substanzmissbrauch und/oder leiden an Suchterkrankungen. Bei etwa 14 Prozent bestehen Essstörungen (Bohus, Unckel 2005), dabei in den meisten Fällen Bulimie und eher seltener Anorexia nervosa. Mit bipolaren Störungen gibt es keine auffällige Korrelation.

Die Komorbidität von psychotischen Störungen wird mit 0 bis 40 Prozent angegeben. Dieser auffällige Widerspruch rührt daher, dass manche Diagnostiker psychotische Störungen bestätigen, wo andere pseudopsychotische oder dissoziative Symptome als Teil der BPS sehen. Nach Einschätzung der zweiten Gruppe bestünde bei der BPS keine höhere Psychoserate als in der Allgemeinbevölkerung.

Auf mögliche Komorbiditäten von anderen Persönlichkeitsstörungen geht der folgende Abschnitt (Ausprägungen der BPS) ein.

 Ausprägungen der BPS
Allgemein

Ein besonderes Merkmal der BPS ist, dass sie in verschiedenen Arten auftreten kann. Außerdem können sich die Symptome eines Patienten über längere Zeit hinweg ändern, wobei Diagnosestellungen nur Momentaufnahmen bilden. Allen gemeinsam ist die von Kernberg postulierte „Borderline-Persönlichkeitsorganisation“.

Volkan und Ast (1992) sehen die Borderline-Persönlichkeitsorganisation auf einer Skala. An deren unterem Ende stehen weniger schwere Fälle, wo sich die Patienten fast immer wie Neurotiker verhalten. Die Patienten am oberen Ende (schwere BPS) neigen dagegen vermehrt zu psychotischen Phasen.

Nach Aussagen verschiedener Experten gibt es kaum einen BPS-Patienten, der nicht die Kriterien für mindestens eine weitere Persönlichkeitsstörung erfüllt, in schweren Fällen sind sogar bis zu sieben möglich (Loranger et al. 1994, Bronisch 2005). Insgesamt gibt es eine hohe Komorbidität der Persönlichkeitsstörungen untereinander.

Verschiedene bekannte BPS-Forscher bezeichnen die ICD- und DSM-Kriterien für Persönlichkeitsstörungen als untaugliche Scheinklassifizierungen, da sie Störungsbilder zu trennen versuchten, die untrennbar seien und ein Kontinuum bildeten. Zu diesen Forschern gehören Kernberg, Fiedler, Dulz, Plakun, McGlashan, Heinssen, Ronnigstam und einige andere. Bezüglich der BPS bedeutet das, dass die gegenwärtigen ICD- und DSM-Klassifikationen von Persönlichkeitsstörungen nur noch auf dem Papier existieren, in der aktuellen Forschung (ab 2001) aber nicht mehr gelten.

Symptomniveaus

Dulz hat in Anlehnung an die oben genannten Fakten eine Klassifizierung der BPS in Untertypen, so genannte „Symptomniveaus“, eingeführt. Sie orientiert sich an anderen Persönlichkeitsstörungen, grenzt sich aber von Neurosen und Psychosen ab. Nach Dulz ist es bei schwereren BPS-Formen selten, dass nur ein einziges Symptomniveau besteht.

Diese Einteilung wurde dadurch erweitert, dass man das Modell von Stone (1994) einbezogen hat. Dabei wird die BPS differenziert in einen „offensiven Faktor“ (resp. „fremdaggressiven Faktor“) und einen „passiven Faktor“ (resp. „autoaggressiven Faktor“). Der offensive Faktor wird primär schweren körperlichen Misshandlungen zugeschrieben, die der Betroffene erlitten hat, der passive Faktor primär sexuellem Missbrauch.

Das angsthafte Symptomniveau stellt eine leichtere Form (auch als „reifere Stufe“ bezeichnet) dar. Hier ist die Ich-Struktur zumindest so stabil, dass das zentrale Symptom der frei flottierenden Angst offen hervortritt. Bei schwereren BPS ist die Ich-Struktur instabiler, und die Angstgrade sind höher, was dazu führt, dass die Angstgefühle stärker verdrängt (resp. abgespalten) sind, durch andere Symptome kaschiert oder umgewandelt werden.

 Die BPS als Posttraumatische Belastungsstörung

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte, insbesondere in der Zeit nach dem Vietnamkrieg, wurden Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) verstärkt untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass besonders schwere Formen der Störung vielfältige Beschwerdebilder zeigen, die über die bekannten Merkmale einer gewöhnlichen PTBS hinausgehen und die alle Kriterien einer Borderline-Störung erfüllen.

Dieses Störungsbild wurde im neu entstandenen Fachgebiet Psychotraumatologie unter dem Begriff komplexe Posttraumatische Belastungsstörung zusammengefasst. Einige Traumaspezialisten betrachten die BPS als schwere Form der komplexen PTBS. Als Gründe werden genannt:

    * 75 bis 90 Prozent der BPS-Patienten geben an, schwere Traumata erlitten zu haben, dabei am häufigsten sexuelle und/oder körperliche Misshandlungen in der Kindheit (Bohus, Unckel 2005, Herman 1992).
    * Dass traumatische Erlebnisse bei der Restgruppe vermeintlich fehlen, ist praktisch selbstverständlich, da besonders schwere Traumata oft nicht erinnerbar sind, zudem wirken sie in der frühen Kindheit am schwersten (Priming-Phase), was sich auch nicht erinnern lässt.
    * Die neurologischen Schäden bei Borderline und schwerer PTBS sind identisch.
    * Die komplexe PTBS erklärt die schwer verständliche Symptomatik der BPS in allen Aspekten.

Die Entstehungskonzepte entsprechen dabei dem neurobehavioralen Modell (siehe weiter oben).

Andere Experten sind jedoch der Meinung, dass sexuelle Traumatisierung weder eine notwendige noch hinreichende Voraussetzung für die Entwicklung einer BPS darstellt: „…Die unter Klinikern stark verbreitete Annahme, dass es sich bei der BPS um ein chronisches posttraumatisches Belastungssyndrom handelt, findet auf wissenschaftlicher Ebene keine Evidenz.“ 

 Verlauf

Über den Langzeitverlauf und die Folgen der BPS konnte bisher nur wenig in Erfahrung gebracht werden. Als möglicher Grund dafür wird angegeben, dass die aktuelle Klassifikation der BPS erst 1980 definiert wurde. Ein besonderes Problem stellen außerdem die häufigen und verschiedenen Komorbiditäten dar, welche die Verläufe erheblich beeinträchtigen und in der Regel negativ beeinflussen.

Bisher ist nur eine einzige große Langzeituntersuchung durchgeführt worden. Dabei wurden Patienten, die zwischen 1950 und 1975 aus dem amerikanischen Sanatorium Chestnut Lodge entlassen wurden, anhand umfangreicher Aufzeichnungen und anhand der DSM-III-Kriterien von 1980 eingeordnet (McGlashan 2001). Besondere Beachtung fanden dabei weitere Diagnosen wie Schizophrenie, bipolare Depression und Major Depression. Besonders auffällig waren dabei die unterschiedlichen Verläufe männlicher und weiblicher Patienten.

Weibliche BPS-Patienten zeigten im mittelfristigen Verlauf (zweite Dekade) eine geringere Symptomatik, dabei aber wesentlich stärkere kurzfristige Durchbrüche. Langfristig (> 20 Jahre) war der Zustand schlechter als bei Beginn der Aufzeichnungen. Das stand oft in Verbindung mit dem Verlust von Angehörigen.

Die männlichen Patienten unterschieden sich in zwei Dingen von den weiblichen: erstens verweigerten sie (in der Regel gegen ärztlichen Rat) weitere Behandlungen, und zweitens war ihr langfristiger Verlauf erstaunlich gut. Insbesondere betraf das berufliche Karriere, Beziehungen, Ehe und gesellschaftliche Aktivität, darüber hinaus entwickelten sie individuelle Unterstützungssysteme für sich.

Allerdings sind diese Ergebnisse – genau wie die Studie insgesamt – nicht allgemeingültig. Als verzerrende Faktoren werden angegeben, dass die BPS bei den männlichen Patienten zwar gleich schwer waren, aber vermutlich nur bestimmte Typen männlicher Patienten in die Studie aufgenommen wurden, weil männliche Betroffene z. B. eher im Gefängnis, aber seltener in Kliniken landen. Außerdem war die damalige gesellschaftliche Situation der Frauen genau in solchen Punkten erschwert, die sich auf die Kernproblematik der BPS auswirken, wie z. B. gesellschaftlicher Zwang zur Heirat und eine untergeordnete Rolle in Beziehungen. Des Weiteren ist das Prädikat „gut“ bei den männlichen Patienten relativ zu sehen, denn es bezieht sich nur ganz oberflächlich auf die Situation und auf die äußerliche Symptomatik.

Als besondere Faktoren, die stark mit negativen Verläufen korrelierten, wurden herausgestellt: Weibliches Geschlecht, (inkonsequent behandelte) Sucht, magische Denkweisen, schlechtere Aggressionskontrolle, geringere intellektuelle Leistungsfähigkeit, längere Klinikaufenthalte, mehr und/oder schwerere Komorbiditäten, problematischere familiäre Situationen und nach Michael H. Stone Armut und körperliche Krankheiten. Nach Stone sind entscheidende positive Faktoren: Hohes Maß an Selbstdisziplin, künstlerisches Talent und bei weiblichen Patienten hohe Attraktivität.

Geschichte

Die Forschung rund um die Borderline-Persönlichkeitsstörung hat eine relativ lange und komplexe Geschichte. Die Begriffsgeschichte geht zurück bis ins Jahr 1884. Damals sprach der englische Psychiater C. H. Hughes von einem „Borderland“ bei den psychischen Krankheiten. Dieser Begriff wurde kurze Zeit später als „Borderline“ übernommen. Damit beschrieb man Patienten mit verschiedenen Symptombildern, die sich weder fest dem neurotischen noch dem psychotischen Spektrum zuordnen ließen. Aber erst Adolf Stern manifestierte den Begriff ab 1939 in der Fachwelt.

In der Forschungsgeschichte gab es vier Hauptströmungen, die in verschiedenen Zeiträumen entstanden sind und die in Teilen auch parallel zueinander liefen. Die älteste betrachtete Borderline als eine subschizophrene Störung, das heißt als eine Art verkappte Schizophrenie. Eine andere versuchte Borderline als subaffektive Störung zu fassen, die in etwa mit manisch-depressiven Erkrankungen vergleichbar wäre. Später wurde sie zunehmend als Impulskontrollstörung eingestuft, und die jüngste Bewegung sieht Borderline als Posttraumatische Belastungsstörung.

Im Laufe der Zeit hat man die Konzepte zum Begriff Borderline und zu ähnlichen Symptomatiken mehrmals vermischt, getrennt und umgeordnet. Was früher als das typische „Borderline“ galt, nämlich stark psychotisch gefärbte Merkmale, hat man 1980 im DSM III vom Borderline-Konzept getrennt und daraus die Schizotypische Persönlichkeitsstörung definiert. Zugleich etablierte man das heutige Konzept der Borderline-Persönlichkeitsstörung, wie es grob auch im DSM IV noch besteht (Stand: 2007).

„Borderline“ gehört inzwischen zu den gängigen Modebegriffen und Schlagworten. Trotzdem ist in der Gesellschaft nur wenig über die BPS bekannt, dafür existieren umso mehr Klischees. In der Fachwelt weiß man zwar erheblich mehr, doch über verschiedene Fragen ist man sich noch nicht einig. Die vier genannten Strömungen sind insofern wichtig, als dass sie immer noch bestehen.

 Siehe auch

    * Trigger
    * Stereotypie (Medizin)
    * Multimorbidität
    * Doppelbindungstheorie
    * Co-Abhängigkeit
    * Borderliners Anonymous

Quelle :
http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline-Persönlichkeitsstörung

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Mi

03

Mär

2010

"Psychomacken" I ...

“Psychomacken“ I …

Seit gestern bin wieder bei meinem Schatz.
Die Zugfahrt verlief ganz gut und ich muß einfach mal sagen, dass die Deutsche Bahn besser als ihr Ruf ist. Ich pendle ja seit November ständig zwischen Hannover und Rodenkirchen hin und her, meistens klappt das auch sehr gut. Gut, es gab einige Probleme im Januar, was aber an dem Schneetreiben lag, da machte das Wetter ja überall Beeinträchtigungen, auf der Autobahn und eben auch auf der Schiene.
Im Großen und Ganzen fahren die Züge jedoch pünktlich und auch mit den Anschlüssen paßt es in der Regel gut. Das ist grad für mich ganz wichtig, nicht nur weil ich auf die Bahn angewiesen bin, sondern auch, weil ich ja immer wieder Probleme mit Angst- und Panikattacken habe, die mich meist in öffentlichen Verkehrsmitteln heimsucht. So fahre ich ungern in vollen Zügen, am schlimmsten jedoch ist, wenn die Züge mitten auf der Strecke halten und man nicht weiß wann es weitergeht.
Aber auch wenn gar nichts ist, habe ich oft einfach Unbehagen, keine Ahnung wieso. Das ist leider bei bestimmten Ängsten so, dass man sie oft nicht erklären kann, oder sie einen in den unpassensten Momenten ereilt. Ich leide ja unter anderem an einer generalisierten Angststörung, soll heißen, dass ich die Ängste nicht benennen kann, also anders als beispielsweise Menschen die unter Höhenangst oder Klaustrophobie leiden, die wissen wovor sie Angst haben. Ganz so einfach ist das bei mir eben nicht.
Ängste treten bei mir nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln auf, sondern überall, selbst bei Freunden oder zu Hause kann mich das treffen und ich kann dann noch nicht mal genau sagen was eigentlich los ist und wovor ich mich fürchte.
Das ist für einen Außenstehenden wahrscheinlich nur schwer nachzuvollziehen, aber wie will man jemanden etwas erklären, was man selbst nicht begreifen kann? Aus dem Grund ist das Zusammenleben mit einem psychisch Kranken wahrscheinlich niemals leicht, weil man ihn einfach nicht versteht.
Ich habe es ja erlebt, in meiner Ehe und auch danach in den kurzen Beziehungsversuchen, man wird immer in die Rolle gedrängt, wo man sich erklären und rechtfertigen muß, warum manche Dinge in bestimmten Situationen gehen und in anderen nicht.
Viele denken, dass man einfach keine Lust und sich auf die einfache Art rausredet, das ist aber nicht so.
Wenn ich tatsächlich keinen Bock hätte, dann könnte ich das ja wenigsten genießen, stattdessen aber mache ich mir selbst Vorwürfe und frage mich ununterbrochen, warum das nicht funktioniert.

Leider nehmen die psychischen Erkrankungen immer weiter zu, aber trotzdem ist das noch immer mit einem Makel behaftet. Viele können oder wollen damit einfach nicht umgehen, ziehen sich zurück, sobald sie jemanden mit einer eindeutigen Diagnose in ihrem Umfeld haben.
Und wenn sie sich doch damit auseinandersetzen, dann haben sie meistens viel zu hohe Erwartungen und setzen den Betroffenen damit unter Druck- ob gewollt oder ungewollt.
Eine psychische Erkrankung ist anders als ein Armbruch, der ist nach einer Behandlung in der Regel behoben, eine psychische Erkrankung behält man meist sein Leben lang!!!
Man lernt mit bestimmten Dingen zu leben, kann mit Medikamenten unterstützend eingreifen, oder auch mit einer Psychotherapie einiges in den Griff bekommen. Wenn man beispielsweise in eine Klinik geht und sich dort wegen Depressionen behandeln läßt, können diese irgendwann wieder auftreten, auch wenn man Jahre- oder Jahrzehntelang beschwerdefrei lebt. So etwas vergessen aber Angehörige oder Freunde des Betroffenen ganz oft, sie denken der Mensch komme “geheilt” aus der Klinik…
Jemand der wegen eines Zugunglücks traumatisiert ist, der wird immer wenn er in den Nachrichten von einer Zugkatastrophe hört mit seiner Vergangenheit konfrontiert. In solchen Momenten wird immer wieder das damals erlebte durchlebt, da laufen Bilder im Kopf ab, die alten Ängste sind wieder ganz frisch und und und. Das wird man sein Leben lang nicht los, egal wie viele Therapien man gemacht hat und Medikamente man geschluckt hat. Man kann im Laufe der Zeit mit solchen Dingen besser umgehen, das einsortieren und lernt einfach damit zu leben, aber es ist in gewisser Weise immer da.
Wenn man dann aber Menschen an der Seite hat, die das nicht verstehen und in solchen Situationen auch noch mit Vorwürfen reagieren, kann es passieren, dass aus der “kleinen Psychomacke” des Betroffenen, eine große wird.
Das soll ja nicht heißen, dass das Umfeld alles hinnehmen soll.
Aber wenn man einen psychisch Kranken als Angehörigen/Freund/Partner hat, dann muß man sich ganz einfach über die jeweilige Problematik informieren, den anderen begleiten und ihn annehmen.
Es gibt genug Möglichkeiten sich über psychische Störungen schlau zu machen, sei es durch das Internet- Wikipedia hat beispielsweise ganz tolle Artikel zu diesen Themen-,
aber auch Kliniken und Ärzte geben gern Auskunft, es gibt jedoch auch die Möglichkeit durch Angehörigengruppen etwas über bestimmte Problematiken zu erfahren. Das ist ganz wichtig, auch für den Betroffenen, zu sehen, dass man nicht allein gelassen wird, der andere einen zumindest versucht zu verstehen- auch wenn man nicht alles nachvollziehen kann.

Ich habe das Glück endlich einen Menschen an meiner Seite zu haben, der mich so nimmt wie ich bin und Verständnis hat.
Das ändert nichts an meiner Problematik, hilft mir aber in vielerlei Hinsicht, denn seit wir zusammen sind, erscheint mir vieles nicht mehr so extrem wie vorher.
Meine Ängste sind nicht mehr ganz so drastisch, ich habe nicht mehr ganz so dolle Stimmungsschwankungen, sehe nicht mehr nur schwarz, etc.
Aber ich merke das eben auch an so “Kleinigkeiten” wie den Zugfahrten.
Liebe verändert einfach alles- schrieb ich ja an anderer Stelle bereits!!!

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Mo

01

Mär

2010

Gedicht ... ... ...

Heute mal ein paar öffentliche Worte an meinen Schatz!

Du und Ich = Eins

 

Dein Name klingt wie Musik

In meinen Ohren.

In Deinen Augen

Kann ich Sterne funkeln sehen.

Dein Mund verspricht ohne Worte

Mir die pure Sünde.

Mit Deinen weichen Händen

Streichst Du über meine Haut.

 

Nackt und Zart – mit Dir

Du und ich – wir zwei

Für immer und ewig – Eins.

 

Durch Deine strahlend blauen Augen

Kann ich bis zu Deiner Seele sehen.

Daß Du es ganz genauso fühlst

Deutlich spüre ich es.

Deine wärmende, zärtliche Liebe

Ist der Kompaß zu meinem Herzen.

 

Du und ich – wir beide

Auf einem Weg – gemeinsam

Für immer und ewig – Eins.

 

by Erik-James Munroe

(Für A. P.)
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So

28

Feb

2010

Veränderungen

Veränderungen…

 

Nach 2 Wochen bin ich wieder einmal bei mir zu Hause, in der Region Hannover.

Ich bin dabei meine Wohnung aufzulösen, packe Umzugskartons und dabei fallen einem so mancherlei Erinnerungsstücke in Hände.

So ein Umzug ist immer eine gute Gelegenheit sich von unnötigem Ballast zu befreien und bei mir hat sich so einiges angesammelt…

Früher sammelte ich beispielsweise Dinge, die den Coca-Cola-Schriftzug trugen, aus dieser Zeit habe ich noch unzählige Gläser, Postkarten, Taschen und ähnliches.

Ich besitze aber auch unheimliche viele Bücher, CDs, DVDs und Schallplatten, diese Sachen möchte ich natürlich behalten.

Es gibt aber auch so noch genügend Zeug auf das ich gern verzichten kann, so sammelte ich früher z.B. auch die Kundenzeitschriften der Berliner Verkehrsbetriebe BVG und der Berliner S-Bahn, die werden demnächst entsorgt.

 

Von anderen Dingen hatte ich mich bereits vor Monaten getrennt,

witzigerweise bevor ich meinen Freund kennen lernte und irgendwelche Umzugspläne hatte.

So hatte ich alles was mal jemand an mich geschrieben hat aufgehoben,

ob Briefe, Geburtstags- und Postkarten oder einfach Zettel mit Nachrichten an mich. Da hatten sich im Laufe der Jahrzehnte 3 ganze Postkisten angesammelt,

die sind im November in den Papiercontainer gewandert. Ich wollte einfach eine Veränderung, mich nicht mehr an alten Dingen festhalten und mich in gewisser Weise auch von der Vergangenheit befreien!

Ähnlich ist es mit meinen Bildern und Zeichnungen, auch da habe ich noch so gut wie alles was ich einmal gemalt habe-

wenn nicht als Original, dann zumindest als Fotokopie.

Da ist soviel Müll dabei, also Bilder, die ich niemals jemanden zeigen würde, weil ich sie für mies halte.

Also was soll ich das Zeug weiter mit mir rumschleppen, dann kann ich mich auch davon endlich trennen…

 

Es ist die Zeit der Veränderung und dieses Jahr wird ein Jahr radikaler Veränderungen.

Seit heute ist ganz offiziell die Tagesstätte für psychisch Kranke in Hannover für mich Geschichte.

Dort hatte ich mich zwar bereits Mitte Dezember verabschiedet,

wurde aber noch in den Listen geführt, weil mein Vertrag bis heute ging.

Ich schaue grad was es für Möglichkeiten es in der Wesermarsch gibt.

In eine Tagesstätte möchte ich nicht unbedingt wieder,

sondern würde gern so langsam ins Berufsleben zurückkehren.

Aus dem Grund steht demnächst eine amtsärztliche Untersuchung an,

in der soll meine Arbeitsfähigkeit getestet werden-

bisher waren ja sowohl mein Betreuer, als auch der Sozialpsychiatrische Dienst der Meinung, ich sei noch lange nicht soweit.

Ich will ja auch gar nicht gleich Vollzeit wieder loslegen, sondern stundenweise. Das ist einfach wichtig für mich, weil es bedeutet, daß ich dann wieder ein halbwegs „normales Leben“ führe und aus der „Psychoszene“ rauskomme.

In der letzten Zeit, wo ich noch mehr oder weniger regelmäßig in die Tagesstätte ging, merkte ich, daß mich das meiste dort eher runterzieht.

Bis auf wenige Ausnahmen habe ich nur noch wenig Kontakt mit anderen Psychisch Kranken, die die noch da sind haben mich durch schwere Zeiten begleitet und sind inzwischen gute Freunde geworden.

An dieser Stelle mal ein Dank vor allem an Jost, Nicole und an Claudia!!!

Obwohl jeder von ihnen selbst betroffen ist, haben sie mich niemals mit ihrer Problematik belastet, sondern eher aufgebaut.

 

Was ich seltsam finde ist, daß ich irgendwie immer wieder an Menschen gerate, die ähnliche Biografien wie ich haben. Mein Freund zum Beispiel hatte auch eine Kindheit mit wenig Liebe und viel Gewalt, seine Ex-Frau ist ebenfalls psychisch krank und seine jüngste Tochter hat so wie ich Mißbrauchserfahrungen machen müssen…

Ich hätte noch vor einiger Zeit nie gedacht, daß es so viele Betroffene und Gleichgesinnte gibt.

Von daher habe ich zum ersten Mal auch innerhalb einer Beziehung etwas Neues, weil mein Freund Verständnis für meine „Psychomacken“ hat. Ich muß mich nicht stundenlang erklären oder rechtfertigen wenn es mir mal nicht so gut geht.

Wobei ich aber sagen muß, daß mir das Familienleben gut bekommt und ich ganz anders drauf bin. Es gibt zwar immer wieder mal Phasen wo ich mies drauf bin, aber irgendwie kann ich anders damit umgehen.

Die Kinder wissen natürlich nicht was mit mir los ist, vielleicht sprechen wir darüber wenn sie mal älter sind, im Moment halte ich sie noch für zu jung.

Mein Freund hat drei Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen, im Alter von 13 bis 15.

Am Anfang hatte ich wegen der Kinder etwas Bedenken, weil ich noch nie etwas mit einem allein erziehenden Vater hatte und nicht wußte wie die Kinder auf mich reagieren.

Inzwischen bin ich ein Teil dieser Familie und ich bin einfach nur glücklich und dankbar, weil sich mein Leben so positiv verändert hat. 

 

Fortsetzung folgt…

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Sa

13

Feb

2010

"Die Vergangenheit" - Teil II

............

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Wieder mal eine schlaflose Nacht, liegt vielleicht daß ich zur Zeit nicht bei meinem Freund und seiner Kindern bin, sondern in meiner alten Wohnung, weil ich hier ein paar Dinge zu regeln habe. Bin grad dabei meine Wohnung aufzulösen und muß auch einiges mit Ämtern und meinem Betreuer klären. Es ist schon seltsam, wie schnell man sich an Menschen gewöhnt, daß merkt man immer dann, wenn man voneinander getrennt ist- ....

hier bei mir merke ich meine „Psychomacken“ auch gleich wieder, bzw. kommen einige Erinnerungen wieder hoch. ....

.. ..

Die Psychogeschichten bestimmen nach wie vor mein Leben, wenn auch heute nicht mehr so arg, wie das noch vor ein paar Monaten der Fall war. Ich hatte nun schon mehrere Wochen keine Depressionen mehr, nur leichtere Stimmungsschwankungen, ebenso hatte ich so gut wie keine Panikattacken, sondern meine Ängste bewegten sich auf einem „normalen Niveau“… ....

Wenn ich hier so mit den Psychobegriffen um mich werfe, dann erkläre ich mal eben, wie es zu diesen Diagnosen kam. ....

Hatte in einem anderen Blogeintrag ja schon einiges angeschnitten, meine Erfahrungen mit der Psychiatrie und mit jedem Klinikaufenthalt kam eine Diagnose hinzu. ....

Als ich im Spätsommer 2004 zum ersten Mal in die Klinik ging, hieß die Diagnose "Soziale Phobie", kurze Zeit später wurde es erweitert auf "Posttraumatische Belastungsstörung"... Im Herbst 2005 kam in der Traumaklinik noch "Depressionen" und Borderline hinzu und zu guter Letzt stellte meine Neurologin Anfang 2008 fest, daß ich auch noch "Manisch-depressiv" sei. ....

.. ..

Anfangs hatte ich erhebliche Probleme mit der Tatsache, daß ich "Psychisch Krank" bin und wehrte mich lange gegen diesen Begriff- psychisch Kranke waren vorher für mich Verrückte, Bekloppte, Irre. Heute kann ich relativ locker damit umgehen und meine Diagnosen halfen mir Dinge aus der Vergangenheit besser einzusortieren. Bestimmte Dinge haben mich ja bereits mein Leben lang begleitet, angefangen von den Ängsten, bis hin zu meinen Drogengeschichten- die heute zum Glück lange hinter mir liegen. Eigentlich hätte meine ganze Familie eine Therapie gebraucht, mein Vater hat uns mehr oder weniger alle auf dem Gewissen!!! Bei uns zu Hause spielten sich Szenen ab, die sich ein Außenstehender kaum vorstellen kann. ....

.. ..

Irgendwie war mein Leben schon ziemlich früh von Ängsten geprägt, zum Beispiel abends wenn wir Kinder ins Bett gingen. Es konnte immer passieren, daß wenn mein Vater abends von der Arbeit kam, er uns wieder aus dem Bett holte, weil er mit unseren Hausaufgaben nicht zufrieden war. Er kontrollierte die Schulhefte und wenn er der Meinung war, wir hätten etwas nicht sauber geschrieben, dann mußten wir alles noch einmal neu schreiben- egal wie spät es war.  ....

Er war Beamter bei der Post, fuhr Telegramme und Eilbriefe aus, arbeitete in zwei Schichten. Mein Vater trank nicht und hat auch nicht geraucht, nach außen alles eine tolle Fassade und trotzdem will keiner was bemerkt haben, ....

keiner aus der Verwandtschaft, kein Nachbar. Es gab mal eine Situation in der Schule, wo mein Sportlehrer meine blauen Flecken am ganzen Körper bemerkte, aber passiert ist nichts. ....

Es ist schon seltsam, vor meiner Therapie konnte ich mich an vieles aus meiner Kindheit nicht erinnern, heute will ich mich nicht mehr erinnern, möchte das alles hinter mir lassen. Aber: Wundert sich jemand, daß ich heute so "durchgeknallt" bin? ....

.. ..

Grad die Diagnose Borderline ist für Menschen aus dem Umfeld oft ein Problem, weil jegliche Beziehungen oft von extremen Hoch und Tiefs verbunden sind. Aber wahrscheinlich sind alle psychischen Störungen für jemand, der sie nicht selbst einmal erlebt hat,  schwer nachzuvollziehen. Meine Mutter sagte früher oft, ich sei „launischer als eine Filmdiva“ und auch mein Ex konnte vieles nicht verstehen- obwohl er selbst einiges an der Backe hatte… ....

.. ..

Am 14.September 2001 haben mein Exmann und ich auf dem Standesamt im Rathaus Schöneberg uns das Ja-Wort gegeben- im Amtsdeutsch heißt es, wir haben unsere Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Schon komisch, ich dachte damals wirklich, daß wir bis an unser Lebensende zusammen bleiben würden, aber was hält schon EWIG? Zumal mein Ex-Göttergatte HIV+ ist, ich wußte das von Anfang an und mir machte das auch überhaupt nichts aus. Sein HIV war auch einer der Gründe für die Heirat, ich wollte für ihn in "guten wie in schlechten Zeiten" für ihn da sein. Aber irgendwie war unsere Beziehung von Anfang an ziemlich problematisch, denn mein Ex, nennen wir ihn hier mal Bernhard, ist nicht nur Positiv, sondern auch noch Alkoholiker- inzwischen lange Zeit trocken.
Wir lernten uns auf relativ ungewöhnliche Art kennen, er war Patient auf der Entgiftungsstation eines kleinen Berliner Krankenhauses und ich machte dort ein Praktikum im Rahmen eines Pflegehelferkurses. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, denn wir beide steckten zu diesem Zeitpunkt noch in Beziehungen, aber es wurde schnell klar, daß wir wohl Freunde werden würden. Die Gefühle entwickelten sich im Laufe der Zeit und irgendwie war  so, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Ich muß dazu sagen, daß es vorher bei mir meist so ablief, ich hatte mit jemanden Sex und wenn überhaupt kam das Kennenlernen später. Bei Bernhard war es ganz anders, es dauerte mehrere Wochen bis wir zum ersten Mal im Bett landeten. Ich zog bei ihm ein und begleitete ihn auf seinem Weg in ein trockenes, alkoholfreies Leben, ging mit in Selbsthilfegruppen und informierte mich über Alkohol und Sucht. Als Bernhard eine zehnwöchige Therapie in Spandau machte, besuchte ich ihn- bis auf wenige Ausnahmen- jeden Tag in der Klinik, um ihm das Gefühl zu vermitteln, daß er nicht allein ist und zu Hause alles in Ordnung ist. Meine Familie war am Anfang geschockt, wie konnte ich nur einen gutverdienenden Journalisten verlassen, für einen HIV + Alkoholiker? ....

.. ..

Erst nach und nach fanden sie sich mit dem Gedanken ab, daß Bernhard die Liebe meines Lebens war. Als 2001 das so genannte Lebenspartnerschaftsgesetz auf den Weg gebracht wurde, der es Schwulen und Lesben gestattete ihre Partnerschaft amtlich zu machen, war für uns beide klar, daß wir dies tun würden. Als Termin wurde der 14.09. festgesetzt und ich weiß noch, als am 11.September die Anschläge in den USA geschahen, überlegten wir ernsthaft ob wir überhaupt feiern sollten… Wir taten es dann doch und es war eine schöne Feier, trotz der ernsten Worte, die Bernhard an alle Gäste richtete.

Ich habe das damals natürlich noch nicht so gesehen, aber nach der Hochzeit veränderte sich unsere Beziehung, veränderte sich Bernhard. Heute würde ich sagen, daß das zufriedene, trockene Leben, von dem er in den Selbsthilfegruppen immer sprach, für ihn so nicht existierte, er unzufrieden war. In meinem Leben lernte ich viele Männer kennen, aber ich hatte noch nie einen Menschen, der so negativ eingestellt war: Morgens war er mufflig, mittags mißlaunig und abends schlecht gelaunt- um es mal überspitzt darzustellen… ....

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Viele Dinge kamen erst nach der Scheidung ans Tageslicht, weil gute Freunde sich nicht in die Beziehung mischen wollten, so erfuhr ich später, daß Bernhard mein Tagebuch las und mein Handy kontrollierte. Ich hatte früher bestimmt ein eher lockeres Leben geführt und nahm es mit der Treue nie so genau, aber Bernhard war ich immer treu, gab ihm keinen Anlaß zur Eifersucht. Aber genau dies war sein großes Problem, wenn ich mich mit meiner Familie oder mit Freunden traf, erfolgten Kontrollanrufe mit einer nichtigen Ausrede, wahrscheinlich um zu sehen, ob ich tatsächlich da bin, wo ich gesagt hatte. ....

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Natürlich will ich meine eigene Rolle nicht herunterspielen, das Zusammenleben mit mir war und ist bestimmt nicht einfach, ich weiß, daß ich ein komplizierter Mensch bin. Am schlimmsten war es wohl 2004, wo meine Panikattacken begannen und ich nur noch eingeschränkt, später gar nicht mehr aus dem Haus konnte. Ich konnte es mir ja selbst nicht erklären, wie sollte ich das Bernhard erklären was da in mir abging? Wir standen damals kurz vor der Trennung, meine ersten Klinikaufenthalte brachten uns zunächst wieder näher zusammen. ....

.. ..

Im Sommer 2005 zogen wir beide schließlich auf meinen Wunsch hin in Bernhards alte Heimatstadt Barsinghausen bei Hannover, ich wollte weit weg von Berlin und meiner Familie sein. Diesen Schritt habe ich auch nie bereut, ich liebe die Gegend und fühlte mich schnell heimisch, was ich bereue, die zweite Traumabearbeitung im Frühjahr 2006. Danach war nichts mehr wie vorher, ich konnte keine Nähe mehr ertragen und hatte Probleme mich auf Sex einzulassen. Meine damalige Therapeutin meinte, dies würde sich im Laufe der Zeit geben und so bat ich Bernhard, mir einfach etwas Zeit zu lassen, aber statt Verständnis erntete ich von ihm nur Vorwürfe. Er konnte nicht nachvollziehen warum ich zusammenzuckte wenn er mich berührte, oder wieso ich die schrecklichen alten Bilder meiner Kindheit wieder vor Augen hatte, wenn wir Sex machten. Für ihn waren es Ausreden, wenn ich wegen einer Panikattacke mal nicht mit zu seiner Familie wollte und es folgten endlose Debatten, er begann mir das Leben zur Hölle zu machen. ....

.. ..

Schließlich sah ich keinen anderen Ausweg mehr und unternahm einen Suizidversuch, dieser führte mich zum ersten Mal in meinem Leben auf die geschlossene Psychiatrie- ein Schockerlebnis. Am schlimmsten jedoch war, als Bernhard zum Aufnahmegespräch auftauchte und dort eine Einschätzung von mir abgab, die mir einen Gerichtsbeshluß für eine sechswöchige Unterbringung dort einbrachte. Ich konnte verstehen, daß er sauer auf mich war und ihn das Erlebnis mich leblos vorzufinden ihn schockierte, aber sich so an mir zu rächen, damals habe ich ihn gehasst. Es war furchtbar auf der Geschlossenen in Wunstorf, die verschlossene Eingangstür, meine Mitpatienten, das Personal … ....

Es passierte nichts um das Erlebnis aufzuarbeiten, keine Therapie, keine Gespräche, nur einmal in der Woche war Visite, das war es. Man wurde dort eigentlich nur verwahrt, wartete auf die Mahlzeiten und daß der Tag vorbei geht. ....

All das zog eigentlich viel mehr runter, auf der anderen Seite hat mich diese Erfahrung stark gemacht. In meiner Teeniezeit habe ich unzählige Selbstmordversuche unternommen, aber nie hatte das ernsthafte Konsequenzen, Magen auspumpen, ein Gespräch mit einem Psychologen und ab nach Hause. Heute sage ich, daß das Erlebnis Geschlossene in Wunstorf gut war, denn ich werde bestimmt keinen neuen mehr Suizidversuch unternehmen, ich möchte nie mehr in eine solche Lage kommen!!!  ....

.. ..

Für die Ehe bedeute es das endgültige Aus, nach meiner Rückkehr nach Hause zog ich aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aus. Ich hatte zwar lange die Hoffnung, daß Bernhard und ich wieder einen gemeinsamen Weg zueinander finden könnten, aber das geschah nicht und so zog ich Ende März 2007 in meine „Noch-Wohnung“ in Ronnenberg. Ein halbes Jahr später wurden wir bereits geschieden, auch da konnte ich meinen Ex noch einmal voll „in Aktion“ erleben, wie er dem Richter ins Gesicht log, unsere Beziehung und angebliche Versöhnungsversuche betreffend… ....

Ich sah mir den Menschen an, mit dem ich immerhin fast 7 Jahre zusammen war, und bemerkte, daß wir uns in der ganzen Zeit fremd geblieben sind. ....

.. ..

Mein Fazit: Es war eine wichtige Zeit für mich und ich blicke nicht im Zorn zurück, denn ich habe diesen Menschen ja einmal sehr geliebt. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nie den Weggang von Berlin gewagt, außerdem habe ich durch Bernhard Alkoholismus meinen eigenen Drogenkonsum fast auf Null heruntergefahren- ich kiffe nicht mehr und trinke so selten, fast gar nicht mehr. Es hat also alles seine guten und seine schlechten Seiten…

Nach Bernhard gab es lange Zeit keinen Mann mehr, über zweieinhalb Jahre hatte ich keinen Sex und habe auch nichts vermisst, wäre gar nicht bereit gewesen mich auf jemanden einzulassen. ....

.. ..

Erst seit einigen Monaten habe ich wieder eine längere Beziehung und habe das Gefühl, daß dieser Mensch diesmal wirklich der Richtige ist. Ich bin so glücklich wie schon lange nicht mehr, bin wieder Teil einer Familie- dazu demnächst mehr: ....

.. ..

Fortsetzung folgt!

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Fr

12

Feb

2010

"Männer & Gay Chats" ...

Männer…

Seit ca. einem Jahr bin ich Mitglied in einer Gay-Chat-Community, den so genannten "blauen Seiten." Inzwischen habe ich dort etliche Leute kennen gelernt, meist nur im Chat, einige wenige auch ganz real. Ich gebe gern zu, daß mich die Einsamkeit manchmal schon erdrückt hat, aber ich wollte nun auch nicht auf Teufel komm raus einen Mann an meiner Seite haben, inzwischen habe ich meinen Traummann kennen gelernt- auch über den Chat... J

Bis es jedoch dazu kam, dies war ein recht steiniger Weg, zumal ich mich manchmal fragte, wer ist eigentlich psychisch krank, die Kerle oder ich? Damit meine ich jetzt nicht solche Leute, die Nachrichten verschicken wie nur ein simples „Hallo“, „Hast Du Lust oder „Worauf stehst Du?“ Wenn ich gute Laune habe, dann begebe ich mich auf das gleiche Niveau und antworte ebenfalls nur in Halbsätzen, aber meistens reagiere ich auf so was gar nicht mehr… Liegt das an den neuen Kommunikationsformen, der „SMS-Generation“, die keine ganzen Sätze mehr zustande bringt? Dies nur als kleiner Einwurf…

 

Ich meine aber ganz was anderes, ich glaube nirgendwo wird so viel gelogen wie im Internet. Kleines Beispiel gefällig? Im April lernte ich im Chat einen Mann kennen, der keine Fotos im Profil hatte, mir aber welche in seine Nachrichten schickte. Ein echt interessanter Typ, vom Aussehen und auch von der Art seines Schreibens her und so dauerte es nicht lange bis wir Telefonnummern austauschten. Wir schrieben kaum noch und telefonierten dafür umso öfter, kamen uns schnell ziemlich nahe- leider wohnte er auf Rügen und ich in der Nähe von Hannover. Beide wollten wir uns kennen lernen und so lud er mich für eine Woche zu sich ein. Einen Tag bevor ich losfahren wollte telefonierten wir wieder und plötzlich hielt er mir eine Moralpredigt über Ehrlichkeit und Offenheit, meinte, wenn ich etwas zu beichten hätte, dann sollte ich das gleich tun, sonst bräuchte ich gar nicht zu kommen. Hatte ich nicht und so saß ich am nächsten Morgen in der Bahn und fuhr also nach Rügen, dort angekommen erlebte ich jedoch eine Überraschung. Die Fotos die er mir geschickt hatte mußten älteren Datums gewesen sein, aber damit konnte ich leben, denn so großartig verändert hatte er sich nicht- wog also nicht 120 kg oder so… Ich verstand nur nicht, warum hatte er sich einige Jahre jünger gemacht- zumal solche Schwindeleien spätestens beim ersten Date auffliegen. Außerdem hatten seine Worte einen Tag vorher, von Ehrlichkeit und Offenheit, eine andere Bedeutung bekommen- ich sollte offen sein, aber er …?

 

Die zweite Überraschung erwartete mich bei ihm zu Hause, wo ich feststellen musste, daß er scheinbar ein kleines Problem mit Alkohol hatte. Am ersten Abend dachte ich ja noch, er wäre nervös und trank deshalb etwas mehr, aber schon am nächsten Tag ging es gleich nach dem „Frühstück“ weiter, da hielt er bereits wieder Bier in der Hand. Ich habe wirklich nichts gegen Alkohol, trinke ja selbst gern mal ein Weizenbier, oder auch mal ein Glas Wein, aber eben nur gelegentlich. Durch meinen Exmann bin ich was Trinken betrifft sehr sensibilisiert und wollte keine Geschichte mit einem „nassen Alkoholiker“…

 

Eine andere Geschichte war, daß wir bis 3-4 Uhr wach waren und er dann am nächsten Tag bis weit nach Mittags schlief. Ich saß da im Wohnzimmer rum und wartete, bis er endlich aufstand- OK, bin meist in den Garten gegangen und habe mich gesonnt. Aber von der Insel habe so gut wie nichts gesehen, zweimal setzten wir uns ins Auto und haben eine Tour gemacht- ich wäre aber gern mal am Strand entlang spaziert…

Es waren noch einige andere Erlebnisse, die ich hier nicht unbedingt wiedergeben möchte, aber alles zusammen bewog mich meine Heimreise schon vorzeitig anzutreten und ich war heilfroh als ich wieder bei mir zu Hause war!!! ...

 

Ich habe einige solcher merkwürdigen Geschichten erlebt, wo man mir gleich an die Hose ging, kaum daß ich zur Wohnungstür rein bin. Danach entschloss ich mich, wenn ich mich noch mal mit jemand treffen sollte, dann nur noch auf neutralem Boden...


Aber auch da erlebt man unter Umständen Überraschungen… So war die nächste Geschichte ähnlich wie oben beschreiben, ich Chattete mit einem wirklich süßen Typen und das diesmal über mehrere Wochen. Es folgten erste Telefonate und vor dem ersten Treffen warnte er mich wenigstens vor, daß er nicht mehr ganz so aussehe wie auf den Bildern. Stimmt, die Haare waren nicht mehr blond, sondern bereits grau, und er hatte ein wenig an Gewicht zugelegt, was mich jedoch nicht störte, weil er echt sympathisch rüber kam und wir uns auch live was zu erzählen hatten. Wir sind in Hannover essen gegangen und es war ein wirklich schöner Abend, deshalb dachte ich mir auch nichts dabei, als er anschließend den Vorschlag machte, wir könnten zum Abschluß noch in eine schwule Kneipe was trinken gehen. Doch statt an die Bar, schleppte er mich nach unten, wo es einige „Darkrooms“ gab und er mir sofort an die Hose ging. Damit hätte ich ja noch leben können, aber als sich dann einige Typen zu uns gesellten und das ganze auf einen Vierer hinauslaufen sollte, da ergriff ich dann doch die Flucht. Erstes Treffen, dann gleich Sex, war von mir nicht geplant, aber das kenne ich ja bereits, doch daß das Ganze dann in Gruppensex ausartet? Vielleicht bin ich zu naiv oder gar blöd, aber ich weiß nicht was sich manche Menschen so denken…

 

Da aller guten Dinge 3 sind, gebe ich noch ein der heftigsten Geschichten zum Besten, die ich im Sommer erlebte. Im Chat schrieb mich jemand an und ich sah mir, wie ich es immer tue, sein Profil an. Was ich da so las und sah entsprach überhaupt nicht meinen Vorstellungen:

Ein 33 jähriger Skinhead, der auf gewisse Sachen im Fetischbereich stand. Ich habe in meinem Leben so einiges ausprobiert, unter anderem auch so Geschichten wie „Golden Shower“ oder Soft SM-Spielchen, das war nie so meins, deshalb wollte ich das danach auch nie wiederholen. Außerdem schreckte mich das Alter ab, meist hatte ich Affären oder Beziehungen zu älteren Männern, nur selten jüngere Typen und 11 Jahre Altersunterschied (nach unten hin) erschien mir einfach zuviel. Trotzdem war ich ein wenig neugierig auf diesen Menschen und antwortete auf seine Nachricht. Wir schrieben einige Male hin und her, dann fragte er mich bereits nach meiner Telefonnummer und ich tat, was ich vorher nie so schnell gemacht hatte, ich gab sie ihm. Er hatte eine angenehm sanfte Stimme, die so gar nicht zu den Skin-Fotos aus seinem Profil paßte. Am liebsten hätte er mich auch noch am gleichen Tag getroffen, aber das ging mir dann alles doch ein wenig zu schnell und so trafen wir uns einen Tag später. Als ich ihn das erste Mal sah war ich wirklich begeistert, denn zum ersten Mal war es umgekehrt, nämlich daß die Fotos ihm nicht gerecht wurden und er in Natura viel besser aussah. Wir sind in Hannover in eine Studentenkneipe, haben einige Bier getrunken und abends brachte er mich zum S-Bahnhof, wo wir uns artig voneinander verabschiedeten. Am nächsten Tag sahen wir uns wieder, quatschen bis zum späten Abend und obwohl ich bei ihm übernachtete, hatten wir keinen Sex. Vielleicht war es das, was all meine Alarmglocken ausschaltete, die noch immer in mir läuteten. Ich hatte nach wie vor das Alter und die Fetischgeschichten im Kopf, aber der erste Sex mit ihm war wunderschön. Es war schon ein wenig seltsam, als er mir gestand, er sei Bettnässer, aber da ich ja auch einen Schaden habe, wollte ich wegen dieser Geschichte nicht das abbrechen, was sich zwischen uns entwickelte. So verpackte er sich also jeden Abend vor dem Schlafengehen, soll heißen, er zog eine Windel an- Einmal wurden wir trotzdem in einer Pfütze wach…

Nach und nach kamen jedoch immer mehr seine Fetischsachen ins Spiel, so empfing er mich einen Abend im Skinhead-Outfit an der Wohnungstür und machte einen auf harten Kerl:

„Mach´s Maul auf Du Sau…“

Ich machte das Spiel anfangs mit, obwohl das überhaupt nicht zu ihm paßte, denn er war nicht der Macker, den er da spielte. Irgendwann musste ich mir das Lachen verkneifen und so brachen wir ab und hatten ganz normalen Sex. Trotzdem waren seine sexuellen Fantasien immer wieder Thema: Ich sollte ihn windeln und ihn gegebenenfalls bestrafen, falls er in die Windel machen sollte…


Mich beschlichen immer wieder Zweifel, vielleicht hätte ich mich ihm zuliebe noch das eine oder andere Mal auf so ein Spiel einlassen können. Was aber den Ausschlag gab, daß ich die „Beziehung“ wieder beendete, war seine Eifersucht. Er selbst sah unterwegs ständig anderen Typen hinterher und mir warf er das vor…

Auch da passierten noch einige andere Geschichten, die ich nicht weiter erläutern möchte, aber ich fragte mich danach schon, ob es keine „normalen Schwulen“ gab, die eine wirkliche Beziehung suchen?...


Mein Bedarf an neuen Bekanntschaften ist durch all diese Erfahrungen zunächst mal gedeckt- zumal ich eh nicht mehr auf der Suche nach "Mr. Right" bin... Deshalb bin ich nur noch selten im Chat anzutreffen und wenn dann eigentlich nur, weil ich dann mit Leuten chatte, die ich schon lange kenne, da haben sich teilweise gute Freundschaften entwickelt und auf diese (wenigen) Leute möchte ich heute nicht mehr verzichten!


Mein Fazit ist: Es treiben sich zwar viele Verrückte im Chat rum, aber zum Glück gibt es auch ein paar ganz normale Männer…

Ich habe auf den so genannten „blauen Seiten“ ja auch mein großes Glück gefunden, deshalb will ich nicht nur ablästern. Es hat halt alles seine guten und seine schlechten Seiten!!!

 

(Blogeintrag vom 20 09 2009 – Bearbeitet am 12 02 2010)
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Do

11

Feb

2010

"Die Vergangenheit" ...

Die Vergangenheit
Auf den Tag sind es fast 5 einhalb Jahre her, daß ich zum ersten Mal in meinem Leben mit Psychiatrie in Berührung kam. Um ganz genau zu sein, es war eine psychosomatische Station im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin- Spandau.
Mein damaliger Hausarzt hat mich 2004 dorthin überwiesen, weil mich zu der Zeit plötzlich heftigste Angst- und Panikattacken plagten, die so schlimm wurden, daß ich das Haus nicht mehr verlassen konnte. Ich bekam Ängste sobald das Telefon klingelte, oder ich nur Schritte im Hausflur hörte- es war die Hölle und ich hatte das Gefühl, als würde ich sterben, oder zumindest meinen Verstand verlieren- aber auch meine Ehe mit einem Mann stand zu der Zeit auf der Kippe.

In der Klinik angekommen sollte ich mich mit meiner Vergangenheit auseinander setzen, ganz besonders mit meiner Kindheit.
Das war am Anfang gar nicht so einfach, hatte ich doch die ersten 8 Lebensjahre fast vollständig aus meinem Gedächtnis gelöscht. Die ersten 8 Jahre, das war die Zeit in der meine Eltern verheiratet waren. Natürlich konnte ich mich an ein paar Dinge erinnern, aber das alles waren fast nur Bruchstücke und ausschließlich negative Dinge, hatte meinen Vater nur brüllend und prügelnd im Kopf behalten. Wie meine Erinnerungen, so begann mein Leben eigentlich erst als meine Eltern sich scheiden ließen und mein Vater Anfang der 70.er Jahre die gemeinsame Wohnung verließ.

Mein damaliger Therapeut gab mir als Aufgabe, ich solle Dinge aus der Vergangenheit zu Papier bringen. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, ich starrte auf ein leeres Blatt Papier und dann schrieb ich ein Ereignis auf, welches noch lange Zeit nach der Scheidung ein Gesprächsthema in der Familie war. Mein Vater schlug meiner Mutter so heftig ins Gesicht, daß er ihr die Nase brach und sie heftigstes Nasenbluten bekam. Wenn wir Kinder vom Prügel bezogen, das war schon schlimm, aber viel schlimmer empfanden wir, wenn er unsere Mutter zuerst demütigte und dann verprügelte, weil wir ihr nicht helfen konnten...

Ich hatte einen Einstieg gefunden und es dauerte nicht lange, so wie es mein Therapeut versprochen hatte, bis auch andere Erlebnisse wieder an die Oberfläche kamen.
Im Rahmen der Therapie stellte sich heraus, daß es außer der verbalen und körperlichen Gewalt auch noch andere traumatische Erlebnisse gab. Im Oktober 2005 machte ich in Havelhöhe die erste Traumabearbeitung (EMDR), wo sich herausstellte, daß mein Vater mich damals auch sexuell mißbraucht hat. Ehrlich gesagt, umgehauen hat mich das nicht, irgendwie habe ich schon immer so was geahnt, denn schon mit 5 Jahren hatte ich konkrete sexuelle Fantasien mit Männern und suchte schon früh den sexuellen Kontakt mit ihnen - wie ich immer dachte -, meinen ersten Sex mit einem Mann hatte ich mit 12!

Was mich allerdings völlig aus der Bahn warf, war Traumabearbeitung Nummer 2 im Mai 2006. Zu dem Zeitpunkt war ich von Berlin in die Region Hannover gezogen, hatte den Kontakt zu meiner Familie weitestgehend abgebrochen. Nach dem ersten EMDR habe ich wirklich geglaubt, daß nun alles besser würde und ich wieder ganz normal leben könne. Es war aber nicht so einfach, wieder war Panik da, nächtliche Albträume und Flashbacks- aus diesem Grund ging ich Ende 2005 zur Stabilisierung in die Klinik für Trauma- und Psychotherapie (KTP) in Köthenwald. Einige Monate später ging ich erneut dorthin, zur zweiten Traumabearbeitung. Heute möchte fast sagen, daß ich diesen Schritt bereue, denn was da an Tageslicht kam, hat mein Leben bis heute verändert. Nicht nur mein Vater hatte "seinen Spaß" mit mir, sondern scheinbar „vermietete“ er mich auch an andere Männer.

Nach diesem EMDR hatte ich Probleme Nähe zu ertragen und Sex zuzulassen, meine Ehe zerbrach, ich unternahm einen Suizidversuch und und und... Mein ganzes bisheriges Leben änderte sich total.  Seit dem Frühjahr 2007 lebte ich allein, ging über drei Jahre in eine Tagestätte für psychisch Kranke in Hannover und versuche irgendwie mit all dem
alten Mist fertig zu werden. Nicht so einfach, denn wenn ich in den Nachrichten etwas über häusliche Gewalt oder Kindesmißbrauch höre, dann ist alles sofort wieder da- die Ängste, die Albträume und die Flashbacks...

Inzwischen habe ich wieder einen lieben und verständnisvollen Partner, der mir Halt und Geborgenheit gibt. Wenn ich auvh nach wie vor bestimmte Probleme habe, so sieht es zumindest so aus, als würde ich langsam in ein halbwegs normales Leben zurück finden!

(Blogeintrag vom 05 09 2009 - überarbeitet am 11 02 2010)
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Sa

02

Jan

2009

"Love Changes Everything"...

Freitag, 18. Dezember 2009....

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Es gibt einen Song, „Love Changes Everything“ – Liebe verändert alles, und ich muß sagen: ....

Es stimmt!!! J....

Seit Mitte November schwebe ich auf einer Wolke des Glücks, habe Gefühle, die ich längst vergessen glaubte. Ich bin bestimmt nicht zum ersten Mal in meinem Leben verliebt und doch erscheint mir alles so neu…....

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Meine Ängste und meine Depressionen, die mich sonst immer irgendwie plagten, sind derzeit ausgewandert nach Timbuktu. Klar hatte ich seit meiner Scheidung auch schöne und glückliche Tage, doch das Gefühl hielt nie lange an, jetzt jedoch schon einige Wochen! ....

Ich kann aber auch ohne Ängste wieder unter Menschen gehen, ziehe mich nicht mehr zurück, kapsle mich von der Welt ab, sondern nehme wieder am Leben teil. ....

Endlich bin ich auch soweit, daß ich die Vergangenheit loslassen kann und mich auf das Hier und Heute konzentrieren kann! Habe angefangen mich von altem Ballast zu befreien, ob das alte Briefe meiner Familie, oder die meiner Lover sind. Vielleicht auch ganz praktisch, falls ich demnächst umziehen sollte, da habe ich weniger einzupacken und zu schleppen… *grins*....

Inzwischen bin ich über das Verliebtsein hinaus und weiß, daß ich den Mann für´s Leben gefunden habe. Deshalb werde ich im nächsten Jahr wohl ganz an die Küste ziehen… ....

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Fortsetzung folgt…....

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Sa

02

Jan

2009

"Unsere tägliche Gewalt gib uns heute..."

Sonntag, 20. September 2009....

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Heute einige Gedanken zum Thema „Gewalt“… Unsere Welt ist leider voll davon, man braucht nur mal durch die Fernsehprogramme zappen, da werden täglich Menschen ermordet, geprügelt und wird irgendwo auf der Welt Krieg geführt Erreichen uns auf dem Sofa in den Nachrichten, Boulevard-Magazinen, bis hin zu den Filmen. Eigentlich müßte man die Leichen mal zählen, die da pro Tag über den Bildschirm flimmern… Nun möchte ich das garantiert nicht verbieten, höchstens mal zum Nachdenken anregen. Warum regen wir uns darüber nicht auf, aber dafür über blanke Busen und nackte Hintern? Wir Europäer ja weniger, aber beispielsweise die US-Amerikaner und das finde ich schon etwas seltsam, wo doch die meisten Krimiserien aus den Vereinigten Staaten kommen. Mord und Totschlag scheint dort ganz normal zu sein, aber wehe ein Kuß in Film und Fernsehen dauert zu lange, oder man sieht in einer Liebesszene zu viel nackte Haut… Und das in einem Land, welches sich gern als „Weltpolizei“ für Menschenrechte aufspielt und die Demokratie über den Globus tragen will. Die USA zeigen gern mit dem Finger auf „Unrechtsstaaten“ wie China, den Iran oder Nordkorea, ich bin bestimmt kein „Fan“ dieser Länder, aber vielleicht sollten die Amerikaner erst einmal ins eigene Land schauen. In den Vereinigten Staaten gibt es beispielsweise immer noch die Todesstrafe, oder man sieht dort Folter als legitimes Mittel an und setzen diese auch ein- so wie jetzt veröffentlichte CIA-Papiere belegen. ....

Es liegt mir fern hier eine Nation oder ein Volk anzuklagen, denn da gäbe es viel zu viele, Länder wo es lebensgefährlich sein kann, wenn man seine Meinung äußern will. Wo man unterdrückt wird, nur weil man das Pech hatte als dort als Frau geboren zu sein. Oder wo man gesteinigt wird, weil man Schwul ist… Beispiele gäbe es noch mehr als genug! ....

Und bei uns? In München wird ein Mann auf einem S-Bahnhof totgeprügelt, nur weil er sich schützend vor Kinder gestellt hat, die ausgeraubt werden sollten. Da laufen Jugendliche an ihrer Schule Amok, schießen wild um sich, oder rennen mit einer Axt durch die Gegend. Ein junger Vater schüttelt sein Kind zu Tode, eine junge Mutter tötet kurz nach der Geburt ihr Baby und verscharrt es im Garten… Was ist los mit unserer Gesellschaft? Nach jedem dieser Vorfälle geht ein Aufschrei durch das Land, alle tun betroffen und wenige Tage später ist alles wieder vergessen… ....

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PS: Ich habe in meinem Leben so viel Gewalt erlebt, daß reicht bis an mein Lebensende. Aus diesem Grund lehne ich jegliche Formen von Gewalt ab, egal ob verbale oder tätliche Gewalt! ....

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